23.10.2019 - 14:00

Informationsnachmittag zu den Schutzmaßnahmen im Keutschacher See. 

 

Mooswinkel 2019 - Vom Land ins Wasser

15. April 2019

Bis ich als archäologische Forschungstaucherin meine Tauchgänge beginne, braucht es einiges an Vorbereitung - schließlich will ich ja nicht wie ein aufgeschrecktes Hühnchen unter Wasser nicht wissen wo vorne und hinten ist. Der Tag beginnt klarerweise mit nem Frühstück, denn für die Arbeiten im kalten Wasser brauche ich Kraft. Erster Tagespunkt - und vielleicht einer der wichtigsten - ist die Besprechung der Tagesaufgaben. Nach der Arbeitsaufteilung weiß ich genau in welchem Quadranten (Fläche von 1 x 1 m) ich heute arbeite und welche möglichen zusätzlichen Aufgaben ich erledigen muss.

Zunächst fertige ich eine Skizze des Quadranten an, um unter Wasser alle wichtigen Informationen eintragen zu können (Funde, Proben und vieles mehr). Dabei ist es wichtig zu wissen welche Nummern ich für meine Funde, Proben und dergleichen unter Wasser vergeben darf. Anders als an Landgrabungen, kann ich unter Wasser nämlich nicht mehr zur Fundverwaltung rennen und schnell mal Fragen klären. Alles muss bereits vor dem Aufbruch zum Forschungsboot abgesprochen sein. Nach der Absprache mit der Fundverwaltung mache ich mich daran alle Materialien die ich während der Zeit unter Wasser benötige zusammenzusuchen und in meiner Grabungskiste zu verstauen - Fundsäcke, Probendöschen, Schlämmsäcke, Kamera,...). Besonders wichtig ist es, Objekte mit Auftrieb so zu verstauen, dass sie einem unter Wasser nicht flöten gehen. Zum Schluss kommt die gesamte Tauchausrüstung ins Grabungsauto und es wird nochmal gemeinsam kontrolliert ob alles da ist, damit wir auch ja nichts vergessen.

Jetzt darf ich mich selber in Schichten einpacken, es ist im April noch etwas kühl im Wasser (5-7° C). Zwei Skiunterwäschen übereinander angezogen, garniert mit drei Lagen T-Shirts und darüber noch einen dicken Unterzieher. Marshmellow lässt grüßen, aber was sein muss, muss sein. Und nun der wohl wichtigste Schritt bevor es losgeht, noch ganz schnell aufs WC gehen - Harndrang unter Wasser ist ausgesprochen unangenehm.

Mit dem Auto geht´s nun zur Bootsanlegestelle, dort muss die gesamte Ausrüstung auf unser Forschungsboot gebracht werden - Tauchausrüstung, Grabungsutensilien, usw. Ist alles verstaut, darf ich mich in den Trockentauchanzug reinquälen - je nachdem wie viele Weihnachtskekse man gegessen hat, geht das nach dem Winter leichter oder schwerer. Jetzt noch Ausrüstung zusammenbauen, damit ich gleich ins Wasser springen kann, wenn wir am Zielort angekommen ist. Mit dem Boot geht´s schließlich Richtung Grabungsstelle, wo wir eine kleine Fläche in der Pfahlbausiedlung Mooswinkel ausgraben

Schon schön so ein TaucherInnen-Leben: mit dem Boot zum Arbeitsplatz fahren, sich den Wind um die Nase blasen lassen, Sonne genießen -wenn sie denn mal da ist - und man bekommt eine gratis Kneippkur noch oben drein! Wobei es im Moment eher eine Kneippkur mit nur eisig kaltem Wasser ist, aber kaltes Wasser soll ja angeblich schön machen.

Zugehöriges Projekt


Forschungen in den Seeufersiedlungen in Attersee und...

Verena Streng studiert Archäologie der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck.

Die Tauchausrüstung: Trocken-Tauchanzüge, Kopfhaube und 3-Finger-Handschuhe. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Die Tauchausrüstung: Trocken-Tauchanzüge, Kopfhaube und 3-Finger-Handschuhe. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Verena beim notieren ihrer Fund-, Proben- und Pfahl-Nummern. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Verena beim notieren ihrer Fund-, Proben- und Pfahl-Nummern. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Ein Zeichenbrett mit allen wichtigen Informationen für den nächsten Tauchgang. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Ein Zeichenbrett mit allen wichtigen Informationen für den nächsten Tauchgang. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Das Forschungsboot und unser Equipment. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
Das Forschungsboot und unser Equipment. (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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