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Die Pfahlbaustationen von Seewalchen am Attersee

5. Oktober 2015

Die Pfahlbauten in Seewalchen am Attersee waren die ersten, die im Salzkammergut entdeckt wurden. Graf Ladislaus Gundacker Wurmbrand-Stuppach stieß 1870 auf urgeschichtliche Überreste in Seewalchen. Spätere Forschungen ergaben dort einen ganzen Siedlungskomplex, der sich vom Ostufer des Attersees vor dem Schloss Kammer über den Ausflussbereich der Ager und entlang des Ufers der Gemeinde Seewalchen erstreckt.

Der Archäologe und Pfahlbauforscher Johann Offenberger unterschied innerhalb dieser Zone verschiedene Siedlungsbereiche: Seewalchen I, II, III und Kammer I. Das Fundmaterial und die Analysen von Kohlenstoffresten aus den Stationen zeigen, dass die Siedlungen in verschiedenen Zeit-Epochen errichtet bzw. besiedelt wurden; von der Jungsteinzeit (in Österreich ca. 6000-2300 v.Chr.) bis zur Mittleren Bronzezeit (in Österreich ca. 2300-1250 v.Chr.). Die älteste Datierung aus Seewalchen stammt aus der Zeit um 3900 Jahren v. Chr.

Jüngste Untersuchungen des Tauchvereins für Unterwasserarchäologie (TUWA) erbrachten 2011 neue Ergebnisse zur Kulturschichtausdehnung und damit der Siedlungsgrenzen innerhalb der Seewalchener Bucht. Das Kuratorium Pfahlbauten konnte 2014 durch Sedimentkernbohrungen nachweisen, dass sich vor der Promenade Seewalchen eine mehrphasige Siedlung befunden hatte, d.h. mehrere Kulturschichten übereinander zeigen, dass dort zu verschiedenen Zeiten immer wieder eine Siedlung bestand.

Die Fundstellen in Seewalchen sind vor allem wegen ihrer Funde aus der Übergangsphase von der Steinzeit zur ersten Metallzeit interessant. Die erste der Metallzeiten ist die Kupferzeit (in Österreich ca. 4000-2300 v.Chr.). Sie beginnt am Ende der Jungsteinzeit. Mit der Entdeckung der Kupferverarbeitung setzt eine neue Entwicklungsphase des Menschen ein und ganze Gesellschaftsstrukturen verändern sich. Beispielweise treten erste eindeutige Waffen-Funde auf, wie Schwerter und Dolche. Innerhalb der darauf folgenden Bronzezeit wird immer mehr eine hierarchische Strukturierung der Gemeinschaften erkennbar. Welche Rolle in diesem Zusammenhang die Seeufersiedlungen und andere bronzezeitliche Siedlungen im Hinterland spielten, ist schwierig zu rekonstruieren.

Aus Seewalchen stammen überregional bedeutende Funde aus der Kupfer- und der späteren Bronzezeit, wie ein Rasiermesser oder ein Bronzedolch. Beide Objekte können heute im Naturhistorischen Museum  Wien besichtigt werden. Generell handelt sich bei diesem Abschnitt der Menschheitsgeschichte um einen sehr spannenden Zeitabschnitt, zu dem die historische Forschung noch viele offene Fragen hat. Das Projekt „Zeitensprung“ ist ein vielversprechender Beginn, einigen dieser Forschungsfragen im Hinblick auf die Pfahlbauten in Oberösterreich auf den Grund zu gehen.

Zugehöriges Projekt


Forschungen in den Seeufersiedlungen in Attersee und...

Henrik Pohl ist als Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich für das UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten zuständig.

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und Grabungsleiterin im Forschungsprojekt Zeitensprung.

Dolch aus Seewalchen (Bild: A. Schumacher - Kuratorium Pfahlbauten)
Dolch aus Seewalchen (Bild: A. Schumacher - Kuratorium Pfahlbauten)
Rasiermesser aus Seewalchen (Bild: A. Schumacher - Kuratorium Pfahlbauten)
Rasiermesser aus Seewalchen (Bild: A. Schumacher - Kuratorium Pfahlbauten)
Steinbeil aus Seewalchen (Bild: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Steinbeil aus Seewalchen (Bild: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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