Abtauchen für das Welterbe – die unterwasserarchäologischen Aktivitäten des Kuratorium Pfahlbauten 2022

16. Dezember 2022

Seit ihrer Einschreibung in die Welterbeliste 2011 werden die fünf zugehörigen Pfahlbausiedlungen durch ein regelmäßiges unterwasserarchäologisches Monitoring vom Kuratorium Pfahlbauten überwacht. Dieses Monitoring dient dazu, Gefährdungen an den Pfahlbauten frühzeitig zu erkennen und eindämmen zu können. Zusätzlich haben wir uns zum Ziel gesetzt, an der Entdeckung, Überwachung und Erforschung von anderen Fundstellen unter Wasser im Rahmen unserer Ressourcen bestmöglich mitzuwirken. Eines der wichtigsten unterwasserarchäologischen Forschungsprojekte heißt „Zeitensprung“, das gemeinsam mit der OÖ Landes-Kultur GmbH seit 2015 realisiert wird.
 

Monitoring und Abdeckungen im Keutschacher See

Im Jahr 2022 startete unsere Frühjahrstauchkampagne in Kärnten am und im Keutschacher See. Im kalten Märzwasser führten wir sowohl unsere Zustandserfassung der UNESCO-Welterbestätte als auch eine Denkmalpflegemaßnahme durch. Insgesamt waren zum Glück nur wenige Veränderungen sichtbar. Die Erosion von Decksedimenten ist weiterhin gegeben. Die 2019 als Pilotversuch verlegten Erosionsschutzmatten hatten größtenteils ihre Funktion sehr gut erfüllt. Heuer hatten wir die weitere Abdeckung von Kulturschichten und Hölzern geplant. Diesmal wurden Matten aus einem Basaltgeflecht auf einer Fläche von 80 m2 verlegt. Versuchsweise installierten wir „Zandernester“, die diesen Fischen die Möglichkeit bieten sollen, ihre Laichplätze auf einer geschützten Stelle anzulegen. Die Site Managerin in Kärnten, Lieselore Meyer, organisierte einen Informationsnachmittag und die mediale Begleitung unsere Tauchkampagne.

 

Tauchen am Österreichischen Welterbetag

Ein besonderes Tauchevent am Österreichischen Welterbetag am 18.4.2022 im Mondsee vom Kuratorium Pfahlbauten für Sporttaucher:innen geboten. In der UNESCO-Welterbestätte See, die in einer Tauchverbotszone liegt, wurden begleitete Tauchgänge durchgeführt. Den interessierten Taucher:innen konnten so die Fundstelle mit ihren Pfählen aber auch mit ihren fragilen Kulturschichten nähergebracht werden. Durch diesen spannenden Tauchgang wurde ein besseres Verständnis für den Schutz des Welterbes erreicht.

In das Aufgabenfeld des Kuratorium Pfahlbauten gehörten ebenfalls die weitere Planung und Durchführung des Projektes „denkmalgerechte Ankerbojen“ und die Begleitung von Baumaßnahmen in archäologisch relevanten Gebieten des Attersees und Mondsee.

 

Unterwasserarchäologisches Monitoring in Oberösterreich

Im Mai stand das Monitoring der vier UNESCO-Welterbestätten der prähistorischen Pfahlbauten in Oberösterreich auf dem Programm. Wir erfassten den Zustand dieser Fundstellen unter Wasser durch Tauchgänge und die Kontrolle der Erosionsmarker. Nach der Umrüstung auf ein denkmalgerechtes System sind zahlreiche Ankerbojen in diesen Gebieten überprüft worden.

In der Seeufersiedlung See im Mondsee sind insgesamt wenig Veränderungen gegenüber vorigen Kontrolltauchgängen sichtbar. Leider liegen viele Funde unter der sehr dünnen Sedimentschicht relativ ungeschützt am Boden. Dort müssen in Zukunft weitere Denkmalpflegearbeiten ansetzen. Die Kontrolle der 2019 umgesetzten Abdeckungen eines Grabens in der Station See zeigte, dass die eingebrachten Basaltmatten gut ihre Schutzfunktion übernehmen. Sie sind von Sediment bedeckt und Jungpflanzen siedeln sich an.

Ebenfalls im Mondsee liegt die Fundstelle Mooswinkel, die ausführlich im Rahmen des Projektes „Zeitensprung“ untersucht worden war. Die heurige Besichtigung sowohl des Grabungsschnittes als auch der, mit einer Basaltmatte abgedeckten, rund 75 m2 großen Untersuchungsfläche, zeigte einen unveränderten und weiterhin stabilen Zustand an.

Die Kontrolle der Welterbestätten im Attersee (Abtsdorf I und III sowie Litzlberg-Süd) dokumentierten, dass sich hier kaum Erosionsvorgänge abspielen. Die seit 2015 installierten denkmalgerechten Ankerbojen erfüllen weitgehend ihre Schutzfunktion.

Im Ufergebiet vor Parschallen sind an einer Verdachtsposition zwei Linien gelegt worden, um mittels Kernbohrungen eventuelle Kulturschichten prähistorischer Siedlungen nachweisen zu können. Bisher konnte kein positiver Beweis erbracht werden.

Während dieser Monitoringkampagne sind auch die Sprungturmgrube Seewalchen und die Steganlage Seewalchen besichtigt worden. Die Verschalung der Sprungturmgrube befindet sich in einem sehr guten Zustand und schützt weiterhin sowohl die dahinter befindlichen urgeschichtlichen Kulturschichten als auch die Grube vor Sedimenteintrag. Während der Besichtigung der Fläche vor der Steganlage Seewalchen sind zahlreiche Störungen des Untergrunds beobachtet worden. Ein auffälliges Holzobjekt wurde dokumentiert und war nach einer C14-Datierung Gegenstand einer weiteren Tauchkampagne im Herbst.

 

Pfahlbauwald und Pfahlbaufiguren

Zusammen mit Stefan Krojer von der Tauchbasis "Underpressure - Die Tauchschule am Attersee" fanden Besichtigungen und Dokumentationen von zwei Tauchplätzen statt, die 2019 im Rahmen des Projekts „Abenteuer Pfahlbau unter Wasser am Attersee“ eingerichtet worden sind. Der Pfahlbauwald vor Nußdorf zeigt immer wieder seine etwas mystische Atmosphäre und die Pfahlbau-Figuren bei Steinbach überraschen mit ihrer Stimmung vor den riesigen Hinkelsteinen.

 

Forschungen für das Projekt „Zeitensprung“

Im Oktober fand eine zweiwöchige unterwasserarchäologische Prospektionskampagne im Rahmen des Projektes „Zeitensprung“ im Attersee statt. Nachdem zuvor längere Zeit in Mooswinkel im Mondsee gegraben worden war, wollten wir wieder zurück an den Attersee, um mehr über bisher eher unerforschte Pfahlbausiedlungen herauszufinden. In der jungsteinzeitlichen Seeufersiedlung Litzlberg Nord II und Nußdorf am Attersee wurden systematisch Kernbohrungen durchgeführt. So konnten dort vorhandene Kulturschichten dokumentiert und Material für weitere Analysen gewonnen werden. Wir schaffen so neue wertvolle Erkenntnisse über die urgeschichtlichen Seeufersiedlungen, die in die geplante Ausstellung über die Pfahlbausiedlungen in Oberösterreich einfließen werden.

 

Notbergung Holzobjekt Kammer

Ende Oktober 2022 wurde das zuvor erwähnte Holzobjekt vor Kammer/Attersee geborgen. Das ungewöhnlich hohe Alter des Holzes von ca. 7000 Jahren sowie die akute Gefährdung machten diese Sicherung notwendig. Ob es sich bei dem Holzobjekt selber um eine menschengemachte Konstruktion handelt, oder es im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten am Seeabfluss des Attersees steht, werden erst weitere Untersuchungen zeigen.

 

Workshop Unterwasserarchäologie 2022

Der schon etwas graue November war genau die richtige Zeit, um Sporttaucher:innen einen Workshop für Unterwasserarchäologie anzubieten. In Theorieeinheiten erfuhren diese alles über archäologische Quellen, Funderhaltung unter Wasser, Fundmeldungen, Recht und Ethik des Denkmalschutzes und natürlich die Welterbestätten im Mondsee und Attersee. In der Praxis konnten die zuvor erlernten Methoden angewendet werden: die Schiffswracks vor Nußdorf "Hausboot" und "Krokodil-Wrack" wurden als Testobjekte für die Dokumentation und Meldung eines Fundes betaucht. Diese Veranstaltung wurde zusammen mit Stefan Krojer von Underpressure - Die Tauchschule am Attersee und Henrik Pohl vom Kuratorium Pfahlbauten für insgesamt 13 Taucher:innen durchgeführt.

 

Neue denkmalgerechte Ankerbojen für Abtsdorf 1

Das Tauchjahr 2022 endete im Dezember mit der Umsetzung einer Denkmalschutzmaßnahme in der UNESCO-Welterbestätte Abtsdorf 1 im Attersee. Die Berufstaucher „Männer unter Wasser“ rüsteten weitere Ankerbojen in diesem Gebiet mit einem neuen Seilbojensystem aus. Damit werden die empfindlichen Überreste der bronzezeitlichen Siedlung deutlich besser vor Erosion durch ansonsten schleifende Ketten geschützt.

All diese Arbeiten werden ermöglicht und unterstützt durch unsere engagierten Forschungstaucher:innen, ehrenamtlichen Helfer:innen sowie unseren Sponsor:innen am Attersee. Unser herzlicher Dank geht an den Union Yachtclub Attersee für den Liegeplatz und das Kranen unseres Forschungsbootes sowie an die Tauchbasis „under pressure“ für das Füllen der Druckluftflaschen, der Reparatur von Trockentauchanzügen und für das gemeinsame Ausrichten des Workshops Unterwasserarchäologie.

Zugehöriges Projekt


Forschungen in den Seeufersiedlungen in Attersee und...

Henrik Pohl ist als Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich für das UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten zuständig.

Attersee, Abtsdorf 1, denkmagerechte Ankerboje. Foto: Markus Hochhold
Mondsee, See. Pfahlfeld in der Pfahlbausiedlung See. Foto: Henrik Pohl
Attersee, Seewalchen. Erodierte Fläche mit herausstehenden Pfählen vor der Steganlage Seewalchen. Foto: Henrik Pohl
Attersee, Kammer. Holzobjekt vor der Bergung. Foto: Henrik Pohl
Attersee, Nußdorf. Sporttaucher während des Workshops Unterwasserarchäologie an einem Wrack.
Attersee, Steinbach. Gruppe von „Pfahlbaumenschen“ als Attraktion vor den Hinkelsteinen. Foto: Henrik Pohl
Attersee, Litzlberg Nord 2. Forschungstaucher bim Auswerten einer Kernprobe. Foto: Stefan Krojer.
Keutschach. Forschungstaucher beim Installieren der Erosionsschutzmatten. Foto: Esther Unterweger
Mondsee, See. Sporttaucher am österr. Welterbetag. (vor dem Abtauchen, unter Leitung Markus Hochholds). Foto: Henrik Pohl
Attersee, Abtsdorf 3. Erosionsmarker im Algenteppich. Foto: Markus Hochhold
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Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: