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Zeitensprung2018 - Schlamm für Kunst

22. Mai 2018

ArchäologInnen graben aus. Bei solchen Ausgrabungen ist es in den wenigsten Fällen wie im Film. Selten knien wir andächtig vor Knochen, die wir mit einem Pinsel sauber freiwedeln. Oft geht es richtig dreckig zu. Liebevoll wird unsere Arbeit dann als „wühlen im Dreck“ bezeichnet, denn nach einem Arbeitstag sieht man so aus, als hätte man genau das getan.

Aber wir ArchäologInnen lieben unseren Dreck, denn darin verbirgt sich eine wahre Flut an Information über das Leben der früheren Menschen. Betrachten wir die Sedimente im Boden genau, können wir Strukturen wie Abfallgruben, Pfostenlöcher oder ehemalige Feuerstellen darin erkennen. Unter dem Mikroskop betrachtet, erscheint noch ein weiteres riesiges Spektrum an Hinweisen in den Sedimenten. Pollen zeigen an, welche Pflanzen zu der damaligen Zeit gewachsen sind, wie die Wälder und Wiesen der Vergangenheit ausgesehen haben könnten. Reste von Fruchtsamen oder Nussschalen verraten Details über die damalige Ernährung. Ebenso wie Fragmente von Käferpanzern Einblicke in Ungezieferplagen geben können.

Doch nicht nur Kleinkinder und ArchäologInnen sind fasziniert von Dreck und Schlamm, auch die Kunst hegt Interesse. Letzte Woche bekamen wir Besuch auf unserer provisorischen Forschungsbasis im Kursgebäude des Bundesamtes für Wasserwirtschaft. Barbara Ritterbusch-Nauwerck, Mitglied im Heimatbund Mondsee, aktive Citizen Scientist und Unterstützerin der Pfahlbauforschung, stellte uns Heidi Zenz vor. Frau Zenz bezeichnet sich selbst als Schlamm-Sammler-Seele und ihre Sammlung beinhaltet Sedimente vom Ibmer Moor bis zum Nil Fluss. Sie kreiert Bilder, aber auch plastische Installationen aus allen möglichen Naturmaterialien und ihre Arbeit begeistert. Darum wurde sie auch 2015 mit dem Förderpreis der bildenden Kunst der Berufsvereinigung bildender Künstler und des Landes Salzburg geehrt.

Besonders faszinierten uns ihre beruhigend wirkenden Fließgesetzte aus Moor und Flusssedimenten auf Papier. Diese werden gefertigt, indem handgeschöpftes Papier auf „Schlamm“ gelegt, abgezogen und auf einer Schräge abgelegt wird. Das Bild entsteht, indem sich das Wasser seinen Weg durch das Sediment bahnt und Rinnsale auf dem Papier hinterläßt.

Trifft eine Schlamm-SammlerInnen-Seele auf eine ArchäologInnen-Seele dann haben sich Zwei gefunden. Es dauerte nicht lange, da standen wir schon an unserer Schlämm-Station und begutachteten unseren Schlamm und ob er sich für die Arbeit von Heidi Zenz eignen würde. Im Zuge der Schlämm-Arbeiten wird das Aushubmaterial aus der Fundstelle nochmals gesiebt und nach Funden durchsucht. Das feine Seesediment wird dabei ausgespühlt. Um den Abfluss nicht zu verstopfen, wird dieses Sediment in unserer Schlämmtonne bzw. der Sedimentfalle gesammelt und gesondert entsorgt. Doch diesmal wurde auch dieser Rest gesammelt und in Funddosen verpackt mit der Aufschrift „Schlamm für Kunst“.  

Die einen graben Jahrtausende altes Kulturgut aus, die anderen erschaffen Kulturgut neu. Wir freuen uns, dass Heidi Zenz den Weg zu uns gefunden hat und sind gespannt was sie aus unserem Kultur-Schlamm macht. 

Zugehöriges Projekt


Forschungen in den Seeufersiedlungen in Attersee und...

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 als Assistentin der Geschäftsführung beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und im Forschungsprojekt Zeitensprung als stellvertretende Grabungsleiterin tätig.

Die Künstlerin mit Helena Seidl da Fonseca, Anna Jaklin und Barbara Ritterbusch-Nauwerck. (Bild: Team Zeitensprung)
Die Künstlerin mit Helena Seidl da Fonseca, Anna Jaklin und Barbara Ritterbusch-Nauwerck. (Bild: Team Zeitensprung)
Schlamm für Kunst. (Bild: Team Zeitensprung)
Schlamm für Kunst. (Bild: Team Zeitensprung)
Schlämmstation (Bild: Team Zeitensprung)
Schlämmstation (Bild: Team Zeitensprung)
Heidi Zenz stellte dem Team ihre Arbeiten vor. (Bild: Team Zeitensprung)
Heidi Zenz stellte dem Team ihre Arbeiten vor. (Bild: Team Zeitensprung)
Heidi Zenz stellte dem Team ihre Arbeiten vor. (Bild: Team Zeitensprung)
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Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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