Ein Blick unter Wasser – Ausgrabung in Weyregg II

5. Oktober 2016

Die Ausgrabung in Weyregg II bleibt spannend. Nachdem sich unsere Tauch-Archäologinnen und -Archäologen durch die schützenden, teilweise bis zu 50cm starken Seesedimente auf die jungsteinzeitliche Kulturschicht durchgekämpft haben, erwartete uns ein komplexer und fundreicher Siedlungshorizont.

Unsere 12 qm große Grabungsfläche ist west-östlich ausgerichtet und quert damit die Fundstelle Weyregg II an ihrem südlichen Ende.
Der Schnitt wurde sorgfältig ausgewählt. Bereits im Juni 2016 wurden bei Voruntersuchungen des Kuratoriums Pfahlbauten eine Reihe von Bohrungen an der Fundstelle vorgenommen. Die Bohrflucht mit dem stärksten Kulturschicht-Vorkommen der zweiphasigen Siedlung bestimmte die Lage unserer diesjährigen Grabungsfläche.

Und wir haben gut gewählt, denn bereits an der Oberfläche der ersten Kulturschicht zeigen sich interessante Befunde. Jede Mende Pfähle von ehemaligen Häusern und bis zu 2m lange liegende Hölzer kamen unter den Deckschichten zum Vorschein. Auf diesem Horizont ist das Fundaufkommen stark und das Fundmaterial spricht für eine Seeufersiedlung des Neolithikums mit Steingeräten und klassischer Keramik der Mondsee-Gruppe. In der braunen von Haselnussschalen und Ästchen durchsetzten Kulturschicht befinden sich immer wieder lehmige und tonige Sedimentlinsen. Vielleicht könnte es sich hierbei um Reste von Hauswänden handeln oder es sind geologische Ablagerungen, die sich im Zuge einer Überschwemmung ablagerten. Um diesbezüglich mehr heraus zu finden, haben wir von solchen Sedimenten Proben entnommen, die von unserer Taucherin Claire Ries an der Universität Innsbruck unter der Leitung von Jean Nicola Haas im BELAVI-Projekt weiter untersucht werden.

Neben solchen Sedimenten, Keramik, Steingeräten, Knochen und ganz viel Holz haben wir dieses Jahr auch sehr seltene Funde aus der Jungsteinzeit gemacht. Die Überreste einer Schnur mit Knoten und Reste eines Textils. Solche organischen Objekte erhalten sich nur unter besonderen Bedingungen, wie beispielsweise unter Wasser, und zeigen wie gut geschützt die Kulturschicht am Seeboden in Weyregg II seit ca. 6000 Jahren gelegen ist. Vorsichtig wurden auch diese Stücke geborgen und kommen nun ins Labor zur weiteren Untersuchung.

Auch ein fast ganzes Gefäß stecke noch in der Kulturschicht und wurden im Block geborgen. Für eine weitere Gefäß-Rest-Analyse kommt es ebenfalls mit nach Innsbruck. Vielleicht lässt sich noch herausfinden, was in diesem kleinen Henkelgefäß mal ausgeschenkt wurde.

Ja, man muss geduldig sein als Archäologin und Archäologe und Untersuchungen abwarten, um alle Informationen aus der Vergangenheit, die wir noch fassen können, zusammen zu tragen. So versuchen wir die richtigen Schlüsse zu ziehen und unseren Blick in das Leben des frühen Menschen zu erweitern. Wie gesagt, es bleibt also spannend!

Wir freuen uns schon sehr auf die Nachbearbeitung der Funde und Proben und haben noch viel zu tun. Fest steht, wir wollen nächstes Jahr weiter machen an der Fundstelle Weyregg II, denn fertig sind wir hier noch lange nicht.

 

Zugehöriges Projekt


Forschungen in den Seeufersiedlungen in Attersee und...

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und Grabungsleiterin im Forschungsprojekt Zeitensprung.

Stefan Dziwis steckt die Quadranten-Rahmen zusammen. (Bild: Henrik Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Stefan Dziwis steckt die Quadranten-Rahmen zusammen. (Bild: Henrik Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Die Grabungsfläche unter Wasser. (Bild: Henrik Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Die Grabungsfläche unter Wasser. (Bild: Henrik Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Forschungstaucherin Ester Unterweger bei der Arbeit unter Wasser. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Forschungstaucherin Ester Unterweger bei der Arbeit unter Wasser. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
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