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Urgeschichte für Kinder - Verzierungen der Jungsteinzeit

10. März 2021

Archäologisches Wissen um die prähistorischen Pfahlbauten spielerisch erklärt.

Eine Initiative des Kuratorium Pfahlbauten – Nationales Management Österreich im UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ – für Kinder, Schulen, Eltern, Vereine und Interessierte.

Die Urgeschichte begann vor 2,5 Millionen Jahren und unterteilt sich in die Abschnitte: Altsteinzeit, Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Es ist ein spannender Teil der Menschheitsgeschichte, denn es handelt sich um einen weitgehend schriftlosen Zeitraum. Zu dieser Zeit wurden Ereignisse und Geschichten nicht vom Menschen niedergeschrieben, sondern lediglich mündlich weitergegeben. Viel Wissen ging dadurch über die Zeit verloren und wird heute durch die Archäologie und diverse Naturwissenschaften anhand der materiellen Hinterlassenschaften des Menschen versucht zu rekonstruieren. Die prähistorischen Pfahlbauten treten erstmals in der Jungsteinzeit (5000 v. Chr.) um die Alpen herum auf und reichen bis in die Eisenzeit (500 v. Chr.). Mehr als 1000 Fundstellen aus diesem Zeitraum der Urgeschichte haben sich in Mooren oder unter Wasser an Seeufern über die Jahrtausende sehr gut erhalten. Durch die Erhaltung organischer Funde unter Wasser, geben die Pfahlbauten einen detailreichen Einblick in den Alltag und das Leben der Menschen aus der Vergangenheit und sind ein wichtiger Bestandteil für die Erforschung der Prähistorie in Mitteleuropa.

In der Blogreihe „Urgeschichte für Kinder“ wird Wissenswertes über die Urgeschichte aus dem UNESCO Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ in kindgerechten Inhalten vorgestellt. Die Arbeitsblätter sind in Zusammenarbeit mit Lehrer*innen und Kulturpartner*innen im Zuge verschiedener Schulprojekte entstanden. Sie eignen sich vor allem für die Altersgruppen von Volksschule und Sekundarstufe 1.

Die Arbeitsblätter gibt es zum Download hier.

Die kommenden Wochen widmen wir uns dem Thema "Kleidung und Schmuck in der Urgeschichte" und wie diese/r hergestellt wurde. Heute zeigen wir euch, wie ihr mit eurer selbstgebastelten Bastschnur von letzter Woche eure Kleidung bedrucken könnt. Dafür stellen wir euch auch gleich ein paar Muster und Verzierungen aus der Zeit der urgeschichtlichen Pfahlbauten vor.

Verzierungen der Jungsteinzeit und der Kordelstempel

Dein Hintergrundwissen:

Was Verzierungen an der Keramik Archäolog*innen verrät:

Verzierungen kennen wir alle aus unserem Alltag, wir finden Sticker auf unseren Heften, Muster auf unserer Kleidung, Graffitis an Wänden und vieles mehr. Wie wir die verschiedensten Gegenstände unseres täglichen Lebens verzieren, so haben es auch die Menschen der Steinzeit getan. Besonders gut können das Archäolog*innen an der Keramikgefäßen und Statuetten (kleine Figuren aus Keramik) erkennen. Diese Gefäße und Figuren wurden mit verschiedenen Techniken und Mustern geschmückt. Dabei waren der Phantasie keine Grenze gesetzt. Verziert wurde z.B. durch das Eindrücken mit dem eigenen Finger, einem Holzstäbchen, Stempeln aus Keramik oder auch mit Schnüren (Bauer, Bollinger, Weiss 1994).

Rekonstruktionen von Keramik aus den Pfahlbausiedlungen in Oberösterreich, Datierung: 4.Jahrtausend v. Chr. © Foto: Karina Grömer

Hierbei entstanden die verschiedensten Muster, die in bestimmten Regionen über eine gewissen Zeit modern waren. Bei den Pfahlbauten in Oberösterreich waren beispielsweise vor 6000 Jahren schraffierte Dreiecke, Kreissymbole und Winkelbänder beliebt. Das sieht man an den Verzierungen auf ihrem Geschirr. Manche Symbole erinnern an Sonnen oder Wellen, aber was hier tatsächlich dargestellt wurde kann jeder anders sehen.

  

Bei den Pfahlbauten in Kärnten waren zu ungefähr derselben Zeit ganz andere Muster beliebt, wie die Fischgräten-Muster auf dem Krug im Bild unten. Ob sie eine Bedeutung hatten oder einfach nur schön aussehen sollten, weiß heute niemand mehr.

Krug aus der Pfahlbausiedlung im Keutschacher See, Kärnten, Datierung: 4.Jahrtausend v. Chr. © Foto: Kuratorium Pfahlbauten

Welche Verzierungen gefallen denn dir besser?

Auch an Keramikfiguren aus der Jungsteinzeit lassen sich Verzierungen, wie gemusterte Kleidung oder Schmuck erkennen (siehe Bild unten). Diese Verzierungen könnten durch aufgenähte Perlen, Fruchtkerne, Muscheln und Knochen, aber auch durch eingearbeitete Stickereien und Webereien entstanden sein (Grömer 2010). Es wäre auch denkbar, jedoch gibt es hierfür keine archäologischen Nachweise, dass mit Farben auf Textilien gedruckt wurde. 

 Tonfiguren aus der Jungsteinzeit © Foto: Karina Grömer

Anleitung zum Kordeldruck

Na, hast du auch schon Lust bekommen eigene Verzierungen und Muster zu entwerfen? Mit der folgenden Anleitung kannst du selbst einen Kordelstempel herstellen und eigene Motive im Druck ausprobieren.

Welche Materialien du benötigst:

Stempel

  • eine gedrehte Schnur
  • eine Platte aus festem Karton, Sperrholzplatte oder Kork als Stempelblock
  • Klebstoff oder doppelseitiges Klebeband

Druck

  • Stoffmalfarbe
  • einen Pinsel
  • ein Stoffstück

So legst du los:

  • Stempel

Beklebe eine Seite des Stempelblocks mit doppelseitigem Klebeband oder Klebstoff. Lege deine Schnur im gewünschten Muster auf den Stempelblock und drücke sie an, aber nicht zu fest. Lass den Kleber trocknen.

  • Druck

Streiche den Stempel dünn mit Farbe ein. Lege das Stoffstück auf eine ebene Unterlage. Lege den Stempel auf die gewünschte Stelle des Stoffstückes und drücke ihn nicht zu fest darauf. Wiederhole das Stempeln so oft, bis du mit deiner Gestaltung zufrieden bist.

Fragen zum Nachdenken:

  • Welche Dinge, glaubst du, sollen die oben erwähnten schraffierten Dreiecke, Kreissymbole, Winkelbänder und Fischgrätenmuster auf den Gefäßen darstellen?
  • Welche Dinge, glaubst du, waren für die Menschen damals so bedeutsam, dass sie in Verzierungen dargestellt wurden?
  • Fallen dir Muster oder Symbole ein, die wir heute verwenden um etwas Bestimmtes auszudrücken?

 

Literaturnachweis:

Irmgard Bauer, Sabine Bollinger, Johannes Weiss: Experimentelle Archäologie: Die Herstellung von spätbronzezeitlicher Keramik. In: Jahrbuch des Staatsarchives des Kantons Zug, des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, des Kantonalen Museums für Urgeschichte Zug und der Burg Zug (10). Zug 1994. S. 129-140.

Karina Grömer: Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa. Geschichte des Handwerkes und Kleidung vor den Römern. Wien 2010. S. 163-187.

Alfred Vogelsberger: Keramik der Pfahlbauern. In: Musealverein Gesellschaft für Landeskunde. Linz 1981. S. 49-66.

Zugehöriges Projekt

In dem Schulprojekt widmen sich die Volkschule Loibichl,...

Anna Schantl studiert im Master Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien und hat einen Bachelor in Verpackungst

Fiona Leipold (vorm. Poppenwimmer) ist Archäologin mit einer Begeisterung für Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Ende 2019 ist sie Teil des Teams des Kuratorium Pfahlbauten.

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und Grabungsleiterin im Forschungsprojekt Zeitensprung.

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Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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