Prospektion der archäologischen Verdachtsfläche „Hollereck“ am Traunsee

Die prähistorischen Pfahlbauten in Österreich sind besonders durch die UNESCO-Welterbestätten am Attersee, Mondsee und dem Keutschacher See bekannt. Im Vergleich zu unseren Nachbarländern ist die Seenlandschaft Österreichs jedoch noch relativ wenig erforscht. Die Region um den Traunsee in Oberösterreich zeigt beispielsweise großes Potenzial für neue Erkenntnisse. Besonders die Nähe zum Salzabbau in Hallstatt und dem damit verbundenen Fernhandel ist hier interessant. 

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind neolithische Funde aus der Gmundener Bucht bekannt, die sich im Bereich des Traunausflusses befinden. Tauchprospektionen aus dem Jahr 1989 führten jedoch zu keinen prähistorischen Siedlungsspuren in der Bucht. 1981 erfolgte die Entdeckung einer hallstattzeitlichen Seeufersiedlung in Traunkirchen in der Flachwasserzone vor der Klosteranlage. Sie blieb weitgehend unerforscht und über ihre Ausdehnung oder Erhaltungszustand war wenig bekannt, bis 2020 ein Forschungsteam der Universität Innsbruck und des Kuratorium Pfahlbauten Untersuchungen aufnahmen. Die Ergebnisse der Forschungen in Traunkirchen und möglichen Bedeutung der Siedlung als Umschlagplatz für den Gütertransport nach Hallstatt findet sich hier.

Der Schutz der archäologischen Reste im Traunsee

Eine weitere urgeschichtliche Fundzone am Traunsee kann auf der Flachwasserzone vor dem Naturschutzgebiet Hollereck der Katastralgemeinde Nachdemsee (Altmünster) vermutet werden. An diesem beliebten Badeplatz wurden bereits Keramikfragmente und bronzene Objekte gefunden, die auf eine Fundstelle in der (späten) Frühbronzezeit hindeuten. Bereits in den Jahren 1984, 1985 und 1989 wurde die Flachwasserzone durch ein Tauchteam des UTC Wels unter der Führung von Karl-Heinz Czech abgesucht. Auch diesmal konnte nichts gefunden werden, dennoch wurde sicherheitshalber ein Tauchverbot an dieser Stelle verordnet.

Aufgrund neuer Informationen zur Verortung der Funde führten Helena Seidl da Fonseca und Henrik Pohl (Kuratorium Pfahlbauten), Peter Trebsche (Universität Innsbruck), Bernhard Bichler und Manfred Schindlbauer (Verein ArcheKult) am 18. September 2023 eine Besichtigung und Betauchung der angegebenen Fundstelle durch. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Angaben eines anonymen Sammlers hinsichtlich der Topographie, der Wassertiefe und eines Steinhaufens in der Flachwasserzone verifiziert werden konnten. Im Nahbereich des Steinhaufens wurden auf dem Seegrund drei stark fragmentierte, prähistorische Keramikreste fotografisch dokumentiert und eingemessen. Die Lokalisierung einer urgeschichtlichen Fundstelle kann somit als gesichert betrachtet werden. Wobei die spärlichen Reste auch den schlechten Zustand zeigten und deshalb weitere Untersuchungen wichtig und notwendig wurden. Denn erst duch eine bessere Kenntnis des gesamten Areals können Ursachen für weitere Zerstörungen erkannt und beseitigt werden.  

Prospektionen unter Wasser und an Land

In einer kombinierten Prospektionskampagne wird 2024 der Bereich rund um den Steinhaufen in der Flachwasserzone des Traunsees vor dem Badeplatz „Köchertwiese“ prospektiert werden. Da es sich um eine sehr ausgedehnte Flachwasserzone handelt (11 Hektar), sollen verschiedene Methoden zur Anwendung kommen.

Unter Wasser sind Bohrungen mit einem Handbohrgerät (Pürckhauer, Durchmesser 3 cm) in einem Rastersystem geplant, sowie die Entnahme eines Bohrkerns mit der Rammkernsonde - sofern der Seegrund dies zulässt. Zudem wird der Seeboden entlang von Suchstrecken nach prähistorischem Fundmaterial abgesucht. Oberflächliche Funde werden kartiert und geborgen, sowie eventuelle Holzbauten dokumentiert. Des Weiteren sollen Minisondagen (ca. 1 m2) in regelmäßigen Abständen entlang der Suchstrecken das Vorhandensein von prähistorischen Schichten feststellen und Aufschluss über den Aufbau des Seegrundes geben.

In der angrenzenden Uferzone nördlich des Naturschutzgebietes Hollereck soll an den Landbereichen mit Rammkernsondierungen (6/8 cm Durchmesser) nach Kulturschichten gebohrt werden und ebenfalls Material für naturwissenschaftliche Untersuchungen gewonnen werden. Zudem wird mittels geomagnetischer Methoden auf den frei zugänglichen Flächen der Boden nach archäologisch interessanten Anomalien untersucht.

Mit Hilfe dieser Methoden sollen wissenschaftlich und denkmalpflegerisch relevanten Fragen zur Fundzone Hollereck beantwortet werden:

  • Kartierung und Festlegung der genauen Ausdehnung des Fundbereichs
  • Gewinnung datierbarer archäologischer Funde und naturwissenschaftlichen Probenmaterials
  • Dokumentation und Bewertung des Erhaltungszustandes

Anhand der Erkenntnisse können das archäologische Potential und notwendige Schutzmaßnahmen beurteilt werden. 

Projektinformationen:

Die archäologischen Prospektionsarbeiten werden vom Traunkirchner Museumsverein ArcheKult (Obmann: Manfred Mayer) organisiert und finden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologien der Universität Innsbruck (Univ.-Prof. Dr. Peter Trebsche), dem Kuratorium Pfahlbauten (Mag. Cyril Dworsky), dem Oberösterreichische Landes-Kultur GmbH, Abteilung Ur- und Frühgeschichte (Dr.in Jutta Leskovar) in Kooperation mit der Gemeinde Traunkirchen und in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt (Mag. Heinz Gruber), statt.

Durchführungszeitraum: 22.04. bis 03.05.2024

Literatur: Offenberger 1986: J. Offenberger, Pfahlbauten, Feuchtbodensiedlungen und Packwerke. Bodendenkmale in einer modernen Umwelt. Archaeologia Austriaca 70, 1986, 205-226.

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: