22.10.2020 - 14:00

Tag der offenen Tür zur archäologisch

Prospektion der hallstattzeitlichen Siedlung von Traunkirchen

Seit dem 19. Jahrhundert ist Traunkirchen als archäologische Fundstelle der Hallstattkultur bekannt. Aus dem Klosterbereich sind ein eisenzeitliches Gräberfeld und Hausbefunde dokumentiert. Im Uferbereich vor dem Kloster konnten 1981 spätbronze- bis eisenzeitliche Funde aus einer unter Wasser liegenden Pfahlbausiedlung gemacht werden.

Abgesehen von diesen Entdeckungen wurde vor allem die Siedlung in ihrer Ausdehnung und Struktur nicht weiter untersucht. Aufgrund der markanten Lage wird vermutet, dass die Traunkirchner Halbinsel schon in der Urgeschichte eine wichtige Rolle als Umschlagplatz im Salzhandel spielte – diese Hypothese soll im Pilotprojekt genauer untersucht werden.

Da sich die archäologische Fundzone sowohl auf Bereiche unter dem Wasserspiegel des Traunsees als auch auf trockene Bereiche am heutigen Seeufer erstreckt, sind unterschiedliche Prospektionsmethoden notwendig, um die Ausdehnung der Siedlung zu ermitteln. Konkret soll festgestellt werden:
1) wie groß der erhaltene Siedlungsbereich ist
2) in welcher Tiefe die urgeschichtlichen Fundschichten liegen
3) wie ihr Erhaltungszustand ist
4) welches Alter sie aufweisen.

Mit geringinvasiven Methoden sollen Proben gewonnen werden, die eine möglichst genaue Datierung der urgeschichtlichen Fundbereiche ermöglichen (organische Reste für C14-Methode, Hölzer für Dendrochronologie).

Im Bereich unter dem Seespiegel werden Erkundungstauchgänge die Erhaltung von Fundschichten klären. Entlang eingemessener Bohrfluchten wird die Fundschicht mittels Handbohrer (25mm Durchmesser) beprobt. An besonderen Stellen mit guter Schichterhaltung werden mittels einer Rammkernsonde, die von einer Bootsplattform aus bedient wird, Sedimentkerne gezogen. Diese Bohrkerne mit einem größeren Durchmesser (9cm) werden für weitere Sedimentanalysen und Untersuchungen im Labor benötigt.

In der Uferzone an Land sind geomagnetische Messungen sowie Georadar-Untersuchungen im Bereich des Parks vorgesehen, um urgeschichtliche Befunde und eventuelle Baustrukturen aus dem Mittelalter und der Neuzeit zu lokalisieren. Ein weiteres Interessensgebiet stellt der bisher nicht untersuchte Pfarrgarten im Norden des Klosters dar. Nach Auswertung der nicht-zerstörenden geophysikalischen Messungen sollen auch hier eine Reihe von Bohrungen mittels Rammkernsonden durchgeführt werden, um die Messungen zu überprüfen und Probenmaterial aus größeren Tiefen zu gewinnen.

Die eigentlich für April 2020 geplanten Tauchuntersuchungen und geophysikalische Prospektion musste leider aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des COVID-19 Virus verschoben werden und finden voraussichtlich im Herbst 2020 statt. 

Bis Frühjahr 2021 sollen die Prospektionsberichte über die Tauchprospektionen und geophysikalischen Prospektionen fertiggestellt werden. Ein Abschlussbericht zu den eingangs formulierten Fragestellungen wird durch die wissenschaftlichen Projektleiter in der Zusammenschau der Prospektionsberichte und der naturwissenschaftlichen Analysen erstellt.

Die archäologischen Prospektionsarbeiten werden vom Traunkirchner Museumsverein ArcheKult (Obmann: Mag. Manfred Schindlbauer) organisiert und finden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologien der Universität Innsbruck (Univ.-Prof. Dr. Peter Trebsche), dem Kuratorium Pfahlbauten (Mag. Cyril Dworsky, Projektleitung: Helena Seidl da Fonseca), dem Oberösterreichischen Landesmuseum, Abteilung Ur- und Frühgeschichte (Dr.in Jutta Leskovar) und in Kooperation mit der Gemeinde Traunkirchen, in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt (Mag. Heinz Gruber), statt.

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: