Bloggen in der Archäologie - Teil 1 Vom Schatten ins Licht

21. August 2018

Bei der Tagung des Netzwerkes Archäologie Schweiz „Was hat Archäologie mit mir zu tun“ habe ich einen Vortrag über Archäologie und Weblogs gehalten, über den ich hier in unserem Blog in einer kleinen Serie berichten will. Das Thema der Tagung hatte mich damals sehr angesprochen, denn im Kuratorium erforsche ich seit 2015 die Abhängigkeit von Öffentlichkeit und Archäologie bzw. Kulturerbe. Seit 2018 hat dieser Forschungsschwerpunkt bei uns auch einen eigenen Namen: Die „Studies on Community Heritage Involvement and Communication“ – kurz CHIC - basieren auf wissenschaftliche Erkenntnisse vorrangig aus den Disziplinen Kommunikation, Heritage Management und Kulturvermittlung. Dabei sind wir meist darauf fokussiert, etablierte Tools aus fachfremden Bereichen an die Bedürfnisse von Archäologie und Denkmalpflege anzupassen. CHIC ist also primär eine anwendungsbezogene Forschung, wobei wir auch Grundlagenforschung leisten. Dies geschieht vor allem im Bereich Social Media  und künftig auch verstärkt in der Kulturvermittlung.

CHIC wirkt sich - wie man hoffentlich merkt - auf unsere eigene Arbeit in der Kommunikation und Sichtbarmachung des Pfahlbauten-Welterbes aus. Unter anderem betreiben wir deshalb den Pfahlbauten-Blog, mit dem wir immer wieder Teilaspekte unserer Arbeit und des ganzen Rundherums sichtbar machen können, die sonst vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleiben würden. Vor der Konzeption des Pfahlbauten-Blogs habe ich zwei Blogs der Hallstatt-Forschung des Naturhistorischen Museums in Wien betreut. Beim Stiegenblog der Hallstatt-Forschung habe ich auch an der Konzeption mitgewirkt und auch da ging es vor allem darum, die im Inneren des Salzberges ablaufenden Arbeiten sichtbar zu machen, die sonst nur schwer nach außen kommuniziert werden können.

Als ich 1996 mein Studium begonnen habe, gab es durchaus schon Seiten mit archäologischen Inhalten im Netz. Es gab Literaturdatenbanken wie Dyabola, Linksammlungen und Lexika. Es gab aber auch erste Seiten, die eigene Informationen lieferten, die Leserinnen und Leser direkt ansprachen. Ein Beispiel aus dem Saarland ist die Seite ZeitenSprung zur Mittelalterarchäologie, die noch immer aktiv ist. Sie beinhaltet neben Literatur-PDFs vor allem Links zum Thema und hier waren auch schon ab 1997 erste Artikel zu finden, in welchen der Archäologe Jan Selmer von seinen Forschungen berichtete und zur Diskussion aufforderte, gelegentlich sogar um Mithilfe bei der Identifizierung besonderer Fundobjekte bat.

Dennoch schien noch bis vor wenigen Jahren die Skepsis gegenüber der Nutzung des Internets als Kommunikationstool groß zu sein. Ich erinnere mich noch gut an die Geringschätzung, die gefühlt allen Informationen aus dem Netz entgegen gebracht wurde. Speziell die zögerlichen Anfänge der eigenen Darstellung im Netz war allerdings nicht auf die Archäologie beschränkt, sondern ließ sich über deren Grenzen hinaus im gesamten kulturellen Sektor feststellen. Aus meinem beruflichen Umfeld kenne ich ausdrückliche Verbote, Facebook-Seiten anzulegen. Nicht selten habe ich persönlich Universitätsdozentinnen und –Dozenten gehört, die den Studierenden eindringlich davon abrieten, Wikipedia-Artikel für den Einstieg in ein Thema zu nutzen. Museen scheuten sich vor fotografierenden Besucherinnen und Besuchern, da sie durch die spätere Bereitstellung des Bildmaterials im Netz fürchteten, keine Besucher mehr zu bekommen, wenn man die Objekte online sehen könnte. Fairerweise muss man dazu natürlich sagen, dass das auch rechtlich nicht ganz ohne ist, aber das war nicht die einzige Sorge. Spannende Beiträge - mal nicht aus der Archäologie - sind zum Beispiel jener der „Kulturtussi“, Anke von Heyl, Museumselfies – Einladung zur Feldforschung oder der Blogpost von Angelika Schoder, Wer hat Angst vor digital zugänglicher Kunst? 

Heute sieht man da Vieles deutlich entspannter, wie unter anderem unser Blog hier beweist. Wir sind noch nie dafür angegangen worden, dass wir uns eines solchen Tools bedienen. Auch nicht für unseren Facebook-Account, der in den ersten Jahren nach Gründung des Kuratoriums bewusst nur zögerlich bespielt wurde und heute nicht selten einen recht frechen Ton anschlägt. Wir sind in dieser Entwicklung nicht allein, wenn man die Zahl der Blogs mit archäologischen Inhalten betrachtet, so kann sich das durchaus sehen lassen. Nach einer Listung von Reiner Schreg auf seinem Weblog „Archaeologik“ dürfte es derzeit etwa 550 solcher Blogs geben, über die ich in der nächsten Folge berichten werden.

 

 

Zugehöriges Projekt

Seit 2015 erforscht das Kuratorium Pfahlbauten die Abhäng

Carmen Löw ist Archäologin und Kommunikationsexpertin. Im Kuratorium Pfahlbauten kümmert sie sich unter anderem um die Redaktion des Pfahlbauten-Weblogs.

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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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