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Welterbetag 2022: Pfahlbauten hautnah – Eine Tauchexkursion zur Siedlung See am Mondsee

20. Mai 2022

Zum diesjährigen Welterbetag wollten wir, einer kleinen Gruppe von Sporttaucher:innen eine ganz besondere Gelegenheit bieten, die prähistorischen Pfahlbauten an der Welterbestätte See am Mondsee so nah wie noch nie zu erleben.

Die Fundstellen der Pfahlbauten in den österreichischen Seen unter Wasser sind nicht nur verborgen und damit so unsichtbar wie unzugänglich, auch gehört zu den Schutzmaßnahmen der Welterbestätten ein allgemeines Tauchverbot. Dies kann durch personalisierte Ausnahmegenehmigungen (z.B. zur Erforschung und Kontrolle der Fundstellen) aufgehoben werden und dient dazu, den unkontrollierten Zugang zu den empfindlichen Siedlungsresten einzuschränken.

Am 18. April 2022, anlässlich des zweiten österreichischen Welterbetages, konnten insgesamt zehn Sporttaucher:innen die ansonsten unzugänglichen versunkenen Dorfruinen der Welterbestätte See am Mondsee hautnah erleben. Um die Details und Hintergründe des Erlebten erfassen zu können, erhielten die Teilnehmer:innen im Briefing von Site Manager Henrik Pohl grundlegende Informationen über die Fundstelle, deren Schutz und Erforschung.

Denn zu sehen gibt es unter Wasser einiges: von den Pfählen und Spuren der menschlichen Besiedelung abgesehen, kann auch ein Stück Forschungsgeschichte entdeckt werden. Auf wenigen Metern Tiefe sind Vermessungsrahmen und der Grabungsschnitt der Forschungen von Johann Offenberger zu sehen, der in den 1980er Jahren im Auftrag des Bundesdenkmalsamts an den Pfahlbauten arbeitete. Auch die modernen Monitoring- und Schutzmaßnahmen sind gut sichtbar. Erosionsmarker geben Auskunft über potentielle Bedrohungen der Siedlung durch den Abtrag schützender Deckschichten, ausgelegte Abdeckungen aus Geotextil sollen diese Erosion verhindern.

All dies konnten die Taucher:innen in Kleingruppen unter der Führung unseres langjährigen Forschungstauchers Markus Hochhold erleben. Bei bestem Wetter und relativ guten Sichtweiten unter Wasser zeigte sich den Taucher:innen die verborgene Welt eines jungsteinzeitlichen Dorfes. Teilnehmer Hannes Daferner beschreibt seine Erfahrung:

„Dank einer kurzen Einführung in die Thematik der prähistorischen Siedlungsweise sowie der Unterwasserarchäologie […] konnten [wir] während des Tauchgangs die Holz- und Keramikfunde sowie die bisherigen Grabungsmethoden bestaunen. Erstaunlich war dabei vor allem die Menge der erhaltenen Holzpfähle und die Tatsache, dass diese 6.000 Jahre lang den Veränderungen durch Umwelt und Mensch standhalten konnten. Als ehemaliger Praktikant im Pariser UNESCO-Welterbezentrum hat mich außerdem auch das Site Management der Welterbestätte interessiert und die Planung der Tauchgänge an sensiblen Stellen, die normalerweise mit Tauchverbot belegt sind. Das Vorkommen von Pfahlbauten war mir vor allem vom Attersee bekannt, umso interessanter war daher die Auswahl dieser Tauchstelle im Mondsee mit den äußerst gut erhaltenen Siedlungsresten.“

Ein reger Austausch während des Tages ließ die gemachten Beobachtungen und Erfahrungen besser einordnen.

Den Auftakt dieses exklusiven Einblicks für die Community der Sporttaucher:innen organisierten wir gemeinsam mit dem Tauchclub Under Pressure Attersee. Wir wollten mit dieses Jahr ausloten, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang das mit einem Tauchverbot geschützte Welterbe einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Durch die einmalige Erfahrung werden die Taucher:innen zu wertvollen Fürsprecher:innen des Welterbes, die das Wissen darum nach außen tragen und das Bewusstsein für Existenz und Schutz der Pfahlbauten vermehren.

Auch Angelina Albertini teilte mit uns ihre Eindrücke der Tauchexkursion:
„In Mondsee aufgewachsen habe ich in der Volksschule im Sachunterricht von den Pfahlbauten gelernt – wie alles wohl entstanden sein könnte, wie die Menschen damals gelebt haben könnten und, dass auch viele Fundstücke von damals existieren. Diese haben wir dann im Heimatmuseum in Mondsee ganz genau begutachtet – Pfeilspitzen, Werkzeuge, Schmuck und Tonscherben. Das war ein Spaß. Meine Lehrerin meinte, dass im Mondsee immer noch die Pfahlbauten stehen, und dass sie durch das Wasser erhalten geblieben sind. Als 9-jähriges Mädchen ist mir das nie eingegangen.
Als der Diveclub Under Pressure die Möglichkeit ausgeschrieben hat, die Pfahlbauten im Mondsee zu betauchen, waren mein Mann und ich Feuer und Flamme und meldeten uns im Zuge des Welterbetages sofort an. Wir bekamen eine sehr interessante Einführung in die Materie, auch wieso die Pfahlbauten dort standen, wo wir sie vorgefunden haben. […] Ich möchte mich bei dem Team des Kuratorium Pfahlbauten und dem Diveclub Under Pressure recht herzlich bedanken, dass sie mir ermöglicht haben ein Stück Heimat näher kennenzulernen.“

Auch wir möchten uns bei den Taucher:innen für die Teilnahme, das Interesse und den reibungslosen Ablauf bedanken. Die positiven Erfahrungen des Welterbetages 2022 haben gezeigt, dass es gut möglich und sehr erwünscht ist, Sporttaucher:innen in Zukunft öfter die Gelegenheit bieten, die urgeschichtlichen Siedlungen vor Ort zu erleben.
 

Zugehöriges Projekt

Zum 2. Österreichischen Welterbetag 2022 feiern wir ein...

Fiona Leipold (vorm. Poppenwimmer) ist Archäologin mit einer Begeisterung für Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Ende 2019 ist sie Teil des Teams des Kuratorium Pfahlbauten.

Henrik Pohl ist als Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich für das UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten zuständig.

Blick über den Mondsee - ober Wasser ist vom Welterbe nichts zu sehen! Bild: Kuratorium Pfahlbauten
Am Ufer vor der Welterbestätte See am Mondsee gab es Info und Einführung für die Taucher:innen. Bild: Kuratorium Pfahlbauten
Los gehts! Bild: Kuratorium Pfahlbauten
In kleinen Gruppen von maximal vier Leuten wurden die Taucher:innen zur Fundstelle geführt. Bild: Kuratorium Pfahlbauten
Die markanten Pfähle sind die sichtbarsten Zeugen der jungsteinzeitlichen Besiedelung. Bild: Kuratorium Pfahlbauten
Die Taucher:innen waren zufrieden mit dem Erlebnis und bringen neue Einblicke und Erfahrungen mit nach Hause. Bild: Oliver Wacht
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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