Eine hakelige Angelegenheit - Bojen am Welterbe im Keutschacher See

27. April 2016

Das UNESCO-Welterbe im Keutschacher See ist aus mehreren Gründen ein ganz besonderer Arbeitsort. Einerseits ist es die älteste Pfahlbau-Siedlung, die in Österreich bislang entdeckt wurde und eine der wenigen Pfahlbau-Stationen, die mitten im See auf einer ehemaligen kleinen Insel standen. Sie ist die einzige unserer Pfahlbau-Welterbestätten, die nicht in Oberösterreich liegt, und von allen unseren Pfahlbau-Stationen derzeit auch die am stärksten bedrohte. Auch deshalb legten wir heuer einen Schwerpunkt unserer unterwasserarchäologischen Tätigkeiten auf diese Inselsiedlung.

Während in den früheren Jahren unter der Leitung von Otto Cichocki vom Vienna Institue for Archaeological Science (VIAS) eher eine Erforschung der Fundstelle im Vordergrund stand, liegt unser Hauptaugenmerk seit der Anerkennung als UNESCO-Welterbstätte vor allem auf ihrer Erhaltung bzw. auf dem Denkmalschutz. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir ein Monitoringsystem zur Langzeitkontrolle - nicht nur der Keutschacher Insel, sondern aller von uns betreuten Unterwasserdenkmäler - mit standardisierten Methoden aufgebaut.

Dazu gehören zum Beispiel die Zustandsdokumentation aller in der Fläche beobachtbaren Eigenschaften inklusive Foto- und Videodokumentation, die Feststellung des Erhaltungszustandes, das Erfassen von Kulturschichten mittels Sedimentkernbeprobung und vor allem die Einrichtung eines Rasters von Erosionsmarkern, an denen wir ablesen können, ob Material (zumeist Schlamm, der über den Dorfruinen liegt) abgelagert oder abgetragen wird. Während der diesjährigen Monitoringkampagne stand vor allem eine Besichtigung des allgemeinen Zustandes der Station Keutschach an, inklusive einer Fotodokumentation sowie die Kontrolle des Monitoringssystems durch das Ablesen der Erosionsmarker. Dabei konnte ein leichter Abtrag von Deckschichten am östlichen und westlichen Ende der Untiefe festgestellt werden, deren Ursachen wir jetzt noch genauer nachgehen müssen.

Eine wesentliche Aufgabe war dieses Jahr außerdem die Erfassung der Kulturschichtausdehnung. Als Kulturschicht bezeichnen wir diejenige Schicht, die sich während der Nutzung des urgeschichtlichen Dorfes am Boden abgelagert hat. Sie besteht aus vielen Pflanzenresten, Holzkohle und weiterem Abfall der Siedlungstätigkeit wie Keramikbruchstücken, Holzartefakten, Speiseresten usw. Damit stellt diese Schicht für uns eines der wertvollsten Archive dar, das wir natürlich unbedingt schützen wollen.

Aus den letzten Jahren wissen wir, dass wir beim UNESCO-Welterbe in Keutschach vor allem zwei Dinge im Auge behalten müssen: Die Zander, die auf der Untiefe laichen, und Angelhaken und Anker, die sich dort immer wieder in die Pfähle bohren. Letztere sind besonders problematisch, nicht nur weil sich kleinere und größere Anker im Pfahlfeld verhaken und dieses beschädigen, sondern auch, weil durch das Befahren der Untiefe mit dem Boot die Pfahlköpfe verletzt werden können. Wurfangelhaken mit starken Sehnen können sogar ganze Pfähle aus ihrer Verankerung reißen oder kappen sie.

Aus diesem Grunde gibt es ein Angelverbot im Bereich der Untiefe, dass sich aber bislang nur zögerlich durchsetzen konnte. Zusammen mit Otto Cichocki haben wir 2014 zusätzlich mit der Installation eines Bojensystems zur Sichtbarmachung des Schutzgebietes begonnen. Die beiden bislang eingebrachten Bojen haben aber - nach unserer reichen Ausbeute an Angelhaken heuer zu urteilen - offensichtlich nicht ausgereicht, die Schutzzone entsprechend zu markieren. Während der Monitoringkampagne 2016 haben wir daher ein komplettes Raster mit sechs Bojen gesetzt und diese miteinander durch eine Bojenkette verbunden. Hinsichtlich der Zander suchen wir nach Lösungen, die für alle Beteiligten passen.

Damit ist jetzt das Unterwasserdenkmal im Keutschacher See aber nicht nur besser geschützt, sondern erstmals ebenfalls an der Wasseroberfläche sichtbar. Die Bojen sind teilweise mit einer Beschilderung und Ausweisung als UNESCO-Welterbestätte sowie der Angel- und Ankerverbotszone versehen. Wir hoffen sehr, dass wir mit Hilfe dieses Systems im nächsten Jahr weniger Haken finden werden.

Zugehöriges Projekt

Die besondere Lage der Welterbe-Siedlung im Keutschacher...

Henrik Pohl ist als Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich für das UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten zuständig.

Durch die Markierung der Schutzzone wird das UNESCO-Welterbe im Keutschacher See erstmals auch von Land aus sichtbar. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Durch die Markierung der Schutzzone wird das UNESCO-Welterbe im Keutschacher See erstmals auch von Land aus sichtbar. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Team mit Monitoring-Leiter Henrik Pohl beim Einbringen der Bojen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Team mit Monitoring-Leiter Henrik Pohl beim Einbringen der Bojen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Otto Cichocki vom Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS) bei den Vorbereitungen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Otto Cichocki vom Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS) bei den Vorbereitungen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Die Markierung der Schutzzone soll dabei helfen, Beschädigungen der Welterbestätte durch Angelhaken und Bootsanker zu verhindern. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Die Markierung der Schutzzone soll dabei helfen, Beschädigungen der Welterbestätte durch Angelhaken und Bootsanker zu verhindern. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Zander auf der Untiefe im Keutschacher See. Zum Laichen fächeln sie die schützende Deckschicht über den Befunden weg. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Zander auf der Untiefe im Keutschacher See. Zum Laichen fächeln sie die schützende Deckschicht über den Befunden weg. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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