Der Welterbegedanke

31. Dezember 2016

Weihnachten und die Zeit bis zum 1. Jänner verbinden die meisten von uns mit gutem Essen und anregenden Gesprächen im Kreise der Familie und mit lieben Freundinnen unnd Freunden. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der Urlaubsstimmung, läßt mich heuer die Arbeit nicht ganz los. Und das nicht nur, weil „Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht“ Teil des Immateriellen Kulturerbes in Österreich ist. Denn Weihnachten und die hoffnungsvolle Zeit des Jahreswechsels erinnern mich an den vielleicht herausforderndsten Teil unserer Aufgaben im Kuratorium Pfahlbauten: das Vermitteln des Welterbegedankens. Auf dem Welterbegedanken gründet die Welterbekonvention, welche die Grundlage all unserer Arbeit ist.

Mich selber stressen das rechtzeitige Besorgen von Geschenken und die vielen Dinge, die zwischen den Jahren zu erledigen sind, durchaus. Dabei kommen die „inneren“ Werte dieser eigentlich besinnlichen Zeit oft etwas zu kurz. Aber auch die „inneren“ Werte eines Welterbes - also der Welterbegedanke - kommen meiner Meinung nach oft zu kurz.

Die 1972 beschlossene Welterbekonvention ist eines der wichtigsten, bekanntesten und auch beliebtesten Programme der UNESCO. Die darin formulierte Akzeptanz eines universellen und gemeinsamen Erbes unserer Welt sollte meiner Meinung nach ein viel bedeutenderes Regulativ sein. Wir sollten das Welterbe nützen, um die sich konstant verändernden administrativen, wirtschaftlichen und kulturellen Grenzen regelmäßig zu hinterfragen. Oder noch besser: in manchen Bereichen aufzulösen.

Das Welterbe ist ein Ausdruck der Solidarität innerhalb der Staatengemeinschaft. Die Auseinandersetzung mit den herausragenden kulturellen und natürlichen Gütern unserer Erde soll ein friedliches Miteinander fördern. Bildung, Wissenschaft, Kultur und auch der gegenseitige Austausch sind die Grundpfeiler der UNESCO. All dies findet sich in dem Grundgedanken der Welterbekonvention wieder. Es muss uns daher auch die Grundlage für das Management eines Welterbes sein. Leider werden diese Dinge aber nur zu oft von anderen Interessen oder auch nur dem administrativen Alltag in den Hintergrund gedrängt.

Der Welterbegedanke soll zum Nutzen der Menschen angewandt werden und muss deshalb über vorrangig wirtschaftlichen Interessen stehen. Respektvoller und verantwortungsvoller Umgang im Sinne des Gemeinwesens muss an erster Stelle stehen. Das funktioniert aber nur, wenn auch klar ist, was die Menschen an einem gemeinsamen Erbe haben. Und der Wert eines Welterbes erschließt sich eben nicht über die gesteigerten Nächtigungszahlen, sondern über die Auseinandersetzung mit demselben und die Anteilnahme daran.

Mich fasziniert der Welterbegedanke und die damit verbundene Frage bzw. der Auftrag: Wie kann ein UNESCO-Welterbe unser gemeinsames und friedliches Zusammenleben unterstützen? Weihnachten wird als Fest der Liebe und des Friedens bezeichnet. Unseren selbst gesetzten Ansprüche zu einem friedlichen Miteinander werden weder UNESCO-Welterbe noch so manche Weihnachts- oder Silvesterfeier vollständig gerecht. Aber ich möchte an dem Gedanken des gemeinsamen Welterbes weiterarbeiten und ihn so oft wie möglich nach außen tragen. Denn ich sehe es als unsere Verpflichtung im Welterbemanagement - wie es im Artikel 5 der Welterbekonvention heißt - dass wir „eine allgemeine Politik …verfolgen, die darauf gerichtet ist, dem Kultur- und Naturerbe eine Funktion im öffentlichen Leben zu geben…“. Welterbe wie auch Weihnachten sollten nicht dem Kommerz geopfert werden, sondern als Chance für ein friedliches Miteinander gesehen werden.

 

Der Pfahlbauten-Blog ist nominiert.

Cyril Dworsky ist der Geschäftsführer des Kuratoriums Pfahlbauten, dem nationalen Management des UNESCO-Welterbes "Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen".

(Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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