Spinnen und Weben für die Wissenschaft

30. Dezember 2017

Citizen Science ist ein Schlagwort, das nicht nur in der Archäologie, sondern in allen Wissenschaften die Runde macht. Die Erkenntnisse, die bei wissenschaftlicher Arbeit generiert werden, sollen nicht nur möglichst innovativ und interessant an das breite Publikum weitergegeben werden, sondern wenn es möglich ist, sollen auch Interessierte in den Erkenntnisgewinn mit eingebunden werden.

Bei der Erforschung der Pfahlbauten gibt es einige Beispiele in diese Richtung, und auch bei der Textilforschung in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums wurden bereits viele Initiativen gestartet, um Citizen Scientists in den Forschungsprozess miteinzubeziehen bzw. eine große Breitenwirkung zu erzielen.

So arbeite ich etwa sehr gerne mit Menschen zusammen, die sich als Hobby mit alten Handwerkstechniken beschäftigen. Vor allem das Spinnen von Fäden und das Brettchenweben ist etwas, was als Tätigkeit zwar in der „normalen“ Lebenswelt etwa in Europa nicht mehr vorkommt. Umso interessanter ist dieses Thema dann aber für viele Menschen weltweit, diese alten Techniken wiederzubeleben. Das geschieht vor allem über das Internet, mit Blogs, Pins auf Pinterest und You Tube-Videos. Ich habe einen Pin auf Pinterest über die Herstellungsweise von 2500 Jahre alten Brettchenwebereien aus Hallstatt gepostet. Daraufhin haben sich viele Menschen damit beschäftigt, und ihrerseits Vorschläge zum Weben dieser Bänder geteilt. Die Beiträge kamen aus der ganzen Welt, von den USA bis Neuseeland, von Japan bis Südafrika. Es gab auch kreative Umarbeitungen, Änderungen in der Farbgestaltung und alternative Vorschläge zur Webtechnik.

Einer davon, von Maikki Karisto, einer Handweberein aus Finnland, war so interessant, dass wir uns per Mail und Skype zusammengetan haben und einen wissenschaftlichen Beitrag über eine besonders gefinkelte Webtechnik verfasst haben Den haben wir sogar gemeinsam bei einer Tagung zur Experimentellen Archäologie vorgestellt. [Anm. der Redaktion: Der Artikel ist leider zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogposts noch nicht online zugänglich. Der Titel lautet: K. Grömer & M. Karisto,Verschiedene Lösungsansätze für ein simples Design. Neue Experimente zum eisenzeitlichen Brettchenwebband HallTex 152 vom Salzbergwerk  Hallstatt, in: Archäologie Österreichs, 27/2 (2016)].

Es freut mich immer sehr, wenn die Textilien und ihre Herstellungstechniken, die ich wissenschaftlich bearbeite, ihren Weg in die heutige Welt finden, von EnthusiastInnen nachgearbeitet und nicht nur bei Reenactment, sondern auch im täglichen Leben verwendet werden - als Gürtel, Haarband und Ähnliches. Das zeigt ganz deutlich, dass unsere Forschung auch für das alltägliche Leben von Menschen auf der ganzen Welt, eine schöne Inspirationsquelle sein kann!

Karina Grömer ist eine Wissenschaftlerin am Naturhistorischen Museum Wien und Textilspezialistin.

Der Pfahlbauten-Blog ist nominiert.

Brettchenweberei aus Hallstatt mit Webvorschlägen von Maikki Karisto, Finnland. (Bild: NHM und M. Karisto)
Brettchenweberei aus Hallstatt mit Webvorschlägen von Maikki Karisto, Finnland. (Bild: NHM und M. Karisto)
Brettchenweben (Bild: K. Grömer - NHM)
Brettchenweben (Bild: K. Grömer - NHM)
Faden spinnen mit einer Handspindel (Bild: Grömer - NHM)
Faden spinnen mit einer Handspindel (Bild: Grömer - NHM)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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