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Einführung und Vorstellung des intera

Jahresrückblick - Die Attersee-Prospektionskampagne 2015

16. Dezember 2015

Zu den wichtigsten Aufgaben des Kuratoriums Pfahlbauten gehört es, den Zustand der UNESCO-Welterbestätten regelmäßig zu überprüfen. Im Attersee dauerte die diesjährige Prospektionskampagne vom 8. bis zum 20. Juni. Mit dieser Kampagne konnte der erste dreijährige Monitoringzyklus der fünf Welterbestätten abgeschlossen werden. In Litzlberg-Süd, Abtsdorf I und Abtsdorf III ging es aber auch darum unser installiertes Erosionsmarker-System zu vervollständigen und weitere Kernproben zu gewinnen, die uns einen Aufschluss über die Beschaffenheit des Bodens an diesen Stellen geben sollen.

Das Team bestand aus den beiden Forschungstaucherinnen Helena Seidl da Fonseca und Claire Ries sowie aus dem Forschungstaucher Stefan Dziwis, die alle auch an der Unterwasserausgrabung in Seewalchen im Oktober mitwirkten. Als Tauch-Basis konnten wir die Räumlichkeiten beim Yachtservice Gebetsroither in Unterbuchberg nutzen, dessen Betreiber Richard Haslinger uns in wirklich entgegenkommender Weise unterstützte. Das Arbeitsboot „Seehund“ wurde ebenfalls vom Yachtservice Gebetsroither zur Verfügung gestellt.

Die neolithische Seeufersiedlung Litzelberg Süd (Attersee) zählt zu den am besten erhaltenen Welterbestätten der Pfahlbauten Österreichs. Unter einer massiven Seekreideschicht liegen die bis zu 66 cm starken, neolithischen Kulturschichten. Lediglich im Uferbereich dünnt die Deckschicht aus und die Kulturschicht tritt an die Oberfläche. Der südliche und größte Teil der Siedlung liegt jedoch gut geschützt im Seeboden. Für die langfristige, quantitative Erfassung von Erosionsvorgängen ist ein Raster von 16 Erosionsmarkern in drei Fluchten gelegt worden. Durch die beiden Bohrfluchten 2013 und 2015 konnte insgesamt eine deutlich größere Ausdehnung der Station als früher bekannt nachgewiesen werden. Die Kernproben zeigen massive Kulturschichtpakete mit sehr guter Erhaltung von organischem Material an. In der Kernprobe KP-II-50 ist eine deutliche Phasenunterteilung erkennbar. Aus ihr wurden drei C14-Proben entnommen, die eine Datierung der Station um 3600 v. Chr. erlauben.

Die Gewinnung von Einzelfunden steht ja schon lange nicht mehr im Fokus der archäologischen Forschung. Einige wenige Artefakte mussten allerdings geborgen werden. Es handelt sich dabei zumeist um kleine, wenig charakteristische Fragmente von grob gemagerter und reduzierend gebrannter Keramik. Hinzu kommen Tierzähne und Knochenfragmente sowie Abschläge aus unterschiedlichem Steinmaterial. Zu den Sonderfunden zählen eine Kalksteinperle, ein kleines, vollständiges steinernes Flachbeil und eine dreieckige Pfeilspitze aus Silex.

Die Hauptgefährdung für diese Station bestand in den sogenannten Bojenkratern der Segelschiffbojen. Die oft überlangen Ankerketten schliffen am Seeboden und bildeten mit der Zeit tiefe Krater. Alle im Schutzgebiet von Litzelberg Süd befindlichen Segelbojen sind im Herbst 2015 auf das neue System der „denkmalgerechten Ankerbojen“ umgerüstet worden. Bei diesem Bojensystem werden Zwischenboje eingefügt, die das Schleifen der Bojenketten am Seeboden verhindern.

Überprüft und untersucht wurden auch die UNESCO-Welterbestätten Abtsdorf I und Abtsdorf III in der Gemeinde Attersee. Beide Seeufersiedlungen liegen in der Nähe der sogenannten Teufelsbrücke im Attersee vor Altenberg. Diese heutige Untiefe lag vor 3600 Jahren teilweise trocken, so dass auf der Halbinsel gut gesiedelt werden konnte. Zugleich bot der Attersee Schutz nach drei Seiten. Eventuell umzog sogar eine Palisade das bronzezeitliche Dorf Abtsdorf I. Wie Befunde aus Schweizer Seen zeigen, scheint gerade in der Bronzezeit das Schutzbedürfnis besonders hoch gewesen zu sein.

Über die genauen Haus- bzw- Dorfstrukturen können wir leider noch nichts genaueres sagen. Allerdings liegen durch unsere Untersuchungen jetzt aktuelle Datierungen dieser prähistorischen Dörfer vor: Wir können durch 14C-Laboruntersuchungen bereits sagen, dass die Station Abtsdorf III um die Jahre 3650 v. Chr. bestanden hatte und damit dem jungsteinzeitlichen Kulturkreis angehört. Die Station Abtsdorf I war dagegen deutlich jünger und datiert in die Bronzezeit um 1650 v.Chr.

Wir wollten in Abtsdorf I und III aber vor allem wissen, wie gut geschützt diese beiden Welterbestätten dort unter Wasser wirklich liegen, denn schließlich ist der Erhalt und Schutz des UNESCO- Welterbes unsere Hauptaufgabe. Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass eine geringe Erosion der Decksedimente im östlichen und westlichen Randbereich der Untiefe auftritt. Viel markanter waren jedoch auch hier die entstandenen Schäden durch überlange Ketten der Segelschiffbojen.

Jeder helle Fleck auf dem Luftbild von 7reasons, zeigt so einen Bojenkrater an. Hier wird die schützende Deckschicht abgetragen und die Kulturschichten liegen offen und werden zerstört. Drei ausgewählte Segelschiffbojen im Kernbereich der Siedlung wurden im Herbst 2015 auf denkmalgerechte Ankerbojen umgestellt.

Im zweiten Monitoringzyklus ab 2016 soll nun eine Konzentration auf erste Sicherungsmaßnahmen erfolgen. Besonders gefährdete Flächen sollen detailliert untersucht und abschließend abgedeckt werden.

 

Henrik Pohl ist als Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich für das UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten zuständig.

Eine unserer Forschungstaucherinnen beim Monitoring der Station Abtsdorf 1. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Eine unserer Forschungstaucherinnen beim Monitoring der Station Abtsdorf 1. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Arbeitsboot "Seehund“ wurde uns vom Yachtservice Gebetsroither zur Verfügung gestellt. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Arbeitsboot "Seehund“ wurde uns vom Yachtservice Gebetsroither zur Verfügung gestellt. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Überlange Ankerketten von Segelschiffbojen hinterließen früher an der Station Abtsdorf 1 große Bojenkrater. (Bild: 7reasons)
Überlange Ankerketten von Segelschiffbojen hinterließen früher an der Station Abtsdorf 1 große Bojenkrater. (Bild: 7reasons)
Eine unserer Forschungstaucherinnen bei der Kernprobenentnahme in Litzlberg-Süd. (Foto: S. Dziwis - Kuratorium Pfahlbauten)
Eine unserer Forschungstaucherinnen bei der Kernprobenentnahme in Litzlberg-Süd. (Foto: S. Dziwis - Kuratorium Pfahlbauten)
Dokumentation der Kernproben beim Yachtservice Gebetsroither. (Foto: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Dokumentation der Kernproben beim Yachtservice Gebetsroither. (Foto: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
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