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Altforschung in Erstauflage

23. Dezember 2018

In meinem Job bin ich immer wieder mit sogenannter „Altforschung“ konfrontiert: Forschung aus den vergangenen Jahrzehnten, die die Basis für jede weitere Fragestellung im jeweiligen Forschungsgebiet bilden. Es ist gut und wichtig auf solche zurück greifen zu können. Blöd, wenn diese Forschung zwar stattgefunden hat, aber nie publiziert wurde. Damit ist sie nicht öffentlich zugänglich und für die Forschungsgemeinschaft nicht greifbar.

Das kommt gar nicht so selten vor, dass viel geforscht, aber am Ende wenig publiziert wird. So geschehen, in den Jahren 1989-1992 während des Forschungsprojektes „Bestandsaufnahme und interdisziplinäre Erforschung der Feuchtbodensiedlungen Österreichs“ von Frau Dr. Elisabeth Ruttkay (†), Mitarbeiterin der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien. Die verschiedenen Einzelprojekte wurden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und dem Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank finanziert.  Ziel war es, die vorangegangenen Aktivitäten des Bundesdenkmalamtes zur kartographischen Bestandsaufnahme der Unterwasserdenkmäler in ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben einzugliedern (Lochner 1997, 7). Aus diesem Grund wurde Fund- und Probenmaterial zur naturwissenschaftlichen und archäologischen Bearbeitung an Studierende und SpezialistInnen übergeben, die eine Reihe an Untersuchungen starteten.

Eine Untersuchung des prähistorischen Keramikmaterials aus den Altfunden der Studiensammlung des Institutes für Urgeschichte und Historische Archäologie an der Universität Wien und den neueren Funden aus den Grabungen des Bundesdenkmalamtes an der Seeufersiedlung „See am Mondsee“ mündete in einer Publikation von Michaela Lochner 1997. Innerhalb der Reihe der „Mitteilungen der Prähistorischen Kommission“ sollten auch die Forschungsergebnisse der organischen Reste aus See am Mondsee erscheinen. (Lochner 1997, 7)

Die Untersuchung zu den Schnur-, Knoten- und Textilresten aus der Pfahlbausiedlung See am Mondsee liegt bereits fertig zur Publikation in den Schubladen von Frau Dr. Veronika Holzer im Naturhistorischen Museum in Wien. Ihre Arbeit wurde bereits 1996 für den Druck vorbereitet, aber letztlich nie abgedruckt. Für einen eigenen Band waren die Inhalte zu wenig, deshalb wollte man auf die anderen Untersuchungen der Kolleginnen und Kollegen warten, um alles gemeinsam zu veröffentlichen.
Letztlich kam es nie zu dem angestrebten Sammelband und die Veröffentlichung von so manchem Artikel zu dem bereits bearbeiteten Material blieb bis heute aus. Bei einer Pfahlbau-Enquete berichtete Veronika Holzer uns darüber und bat uns um Unterstützung.

Dem kommen wir natürlich gerne nach und darum traf ich mich mit Frau Dr. Holzer zur Sichtung ihrer Unterlagen. Der Text zu der Bearbeitung der Schnurreste ist - obwohl bereits 22 Jahre alt – einwandfrei. Die Fotos und gesetzten Tafeln machen uns da schon eher Sorgen. Aufgrund der Fragilität der Schnurreste konnten die Objekte damals nicht von ihren Unterlagen genommen werden und wurden demnach auf verschiedenen Hintergründen abfotografiert. Die unbearbeiteten schwarz-weißen Fotos wurden händisch auf A2 große Tafeln geklebt, die den Fund-Katalog zum Text darstellen. Diese sollten zusammen mit dem Text zur Publikation eingeschickt werden. Ja, so wurde das früher gemacht. Das konnte ich auch kaum glauben. Bis der Verlag umstellte und Tafeln dieser Größe nicht mehr annahm.

Elf solcher Tafeln gilt es nun zu digitalisieren und für eine Publikation in anderem Format neu zu setzten. Weitere um die 90 Tafeln gibt es noch bei Frau Dr. Holzer in ihren Schubladen. Sie beinhalten das gezeichnete Keramikmaterial und die Steingeräte aus der Pfahlbausiedlung Misling II aus dem Attersee. Hier wurden originale Tuschezeichnungen zu maßstabsgetreuen Katalog-Tafeln gesetzt, die es ebenfalls zu digitalisieren gilt. Diesem Prozess widme ich mich nun, gemeinsam mit Frau Dr. Holzer. Damit „Altforschung“ durch ihre Erstauflage endlich für die Allgemeinheit zugänglich wird. 

Der Pfahlbauten-Blog ist nominiert.

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und im Forschungsprojekt Zeitensprung als stellvertretende Grabungsleiterin tätig.

Dr. Veronika Holzer und ihre Laden voll „Altforschung“. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Dr. Veronika Holzer und ihre Laden voll „Altforschung“. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Dr. Veronika Holzer freut sich über die Unterstützung bei der Publikation ihrer Forschungsarbeit aus dem Jahr 1996. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Dr. Veronika Holzer freut sich über die Unterstützung bei der Publikation ihrer Forschungsarbeit aus dem Jahr 1996. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Fotografien der Schnurreste aus See am Mondsee. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Fotografien der Schnurreste aus See am Mondsee. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Fotografien der Schnurreste aus See am Mondsee. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Fotografien der Schnurreste aus See am Mondsee. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
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