Monitoring im Mondsee

28. Juni 2016

Vor einiger Zeit habe ich im Mondsee im schönen Oberösterreich am Monitoring der UNESCO-Welterbestätte See mitgewirkt. Diese prähistorische Siedlung liegt im südöstlichen Teil des Mondsees nahe der Seeache, die auch zum Attersee führt.
Meine Aufgabe besteht im Moment darin, den Zustand dieser einzigartigen archäologischen Quelle zu erfassen. Das Monitoring-Areal umfasst ein ca. 210 x 100 m ausgedehntes Pfahlfeld mit Resten von Kulturschicht und zahlreichen Oberflächenfunde, die einst fester Bestandteil des Haushaltes dieser Siedlung waren.

Die Reste der Pfahlbauten liegen zwischen 1.8 und 5 m Wassertiefe am Ausfluss des Mondsees und nahe eines beliebten Badestrandes. Durch diese exponierte Lage ist die ehemalige Siedlung einigen Gefahren ausgesetzt. Natürliche Erosion und auch Sedimentation, Anglerinnen und Angler mit ihren Angelhaken und Netzen, aber auch unachtsame Badende könnten zu einer Störung und Abtragung dieser letzen Reste der prähistorischen Siedlung führen. Mit Hilfe von Erosionsmarkern, welche seit 2013 in fünf Fluchten entlang des Pfahlfeldes eingesetzt worden sind, wird der Zustand der die Befunde überlagernden Deckschicht und ihre Veränderung jährlich geprüft. Das Monitoring dient  als Frühwarnsystem, um etwaige irreversible Schäden zu vermeiden.

Mein durchschnittlicher Arbeitstag fängt um ca. 8 Uhr morgens mit einer heissen Tasse Tee an, da der Mondsee im Mai mit ca. 12 Grad Wassertemperatur doch recht kühl ist. Unsere heutige Aufgabe besteht darin, die vor drei Jahren eingebrachten Erosionsmarker abzulesen um somit eventuelle Erosions- bzw. Sedimentationsvorgänge feststellen zu können. Die erste Arbeitsstunde wird meist mit Vorbereitungen verbracht: Equipment und Flaschen überprüfen, Arbeitsmittel wie eine vorgefertigte Tabelle mit den Bezeichnungen der verschiedenen Marker und ein mit einem Gewicht beschwertes Massband vorbereiten, sich den Lageplan des Pfahlfeldes  und der Erosionsmarker einprägen und schliesslich sich mehere Schichten des Trockenanzuges überzuziehen. Nachdem der erste Schock des kalten Wassers im Gesicht überwunden ist, schwimmen alle Taucherinnen und Taucher zu der ihnen zugewiesenen Markerflucht.

Mit Hilfe meines Kompasses schwimme ich zum ersten Marker, halte mein Massband mit dem Gewicht senkecht entlang, und trage den abgelesenen Wert in meine Tabelle ein. Die Hände sind trotz 5mm Handschuhen eiskalt, es wird schwierig den Bleistift zu halten. Ehrlich gesagt ist dies schon der dritte Bleistift, die ersten beiden hielten meinem verkrampten und zitternden Griff nicht Stand. Es ist jedoch so friedlich unter Wasser, ich bin entspannt und die Arbeit verrichtet sich fast von selbst. Nach ca. einer Stunde habe ich meine Aufgabe für diesen Vormittag erfüllt. Ich habe sogar noch genug Luft in meinem Tank um mir das ausgedehnte Pfahlfeld etwas genauer anzusehen.

Nur wenige Meter entfernt sehe ich ein riesiges Fischernetz, neben dem Pfahlfeld. Solche Netze können für die prähistorischen Siedlungen gefährlich werden, weil sie sich zwischen den Pfählen und anderen Objekten, die aus der Kulturschicht herausragen, verfangen und diese schlimmstenfalls sogar aus der Seekreide reißen können. In diesem Netz aber haben sich glücklicherweise nur zwei Fische verfangen die verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Da eine vorbereitete Taucherin immer ein Messer mit sich führt, versuche ich die zwei hadernden Tiere zu befreien. 10 Minuten und 30 Bar verbrauchte Luft später schwimmen die Barsche wieder vergnügt durchs Wasser und auch ich kann endlich wieder ins Trockene. Jetzt heisst es: Raus aus dem Anzug, aufwärmen, sich stärken und den nächsten Tauchgang in etwa 2 Stunden vorbereiten. Es gibt noch viel zu tun….

Esther Unterweger ist Archäologin und Forschungstaucherin. Sie ist seit 2016 Teil unseres Tauch-Teams, das sich um das Monitoring und die Unterwasser-Ausgrabungen kümmert.

Esther Unterweger bei einem ihrer Tauchgänge im Mondsee. (Bild: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Esther Unterweger bei einem ihrer Tauchgänge im Mondsee. (Bild: H. Pohl - Kuratorium Pfahlbauten)
Eine systematische Überwachung des Zustandes der Pfahlbaustationen hilft dabei, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu bannen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Eine systematische Überwachung des Zustandes der Pfahlbaustationen hilft dabei, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu bannen. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Monitoring wird geleitet vom Site Manager in Oberösterreich, Henrik Pohl. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
Das Monitoring wird geleitet vom Site Manager in Oberösterreich, Henrik Pohl. (Bild: Kuratorium Pfahlbauten)
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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