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Die Diva-Ente aus Hallstatt

18. August 2020

Wenn man ein Praktikum im Naturhistorischen Museum macht, vor allem wenn es für das Kuratorium Pfahlbauten ist, rechnet man nicht  unbedingt damit, einer Ente eine Stimme zu verleihen - zumindest ich habe das nicht erwartet. Doch genau das war unsere erste Aufgabe.

Es gibt noch andere Praktikant*innen, aus der Prähistorischen Abteilung, die bereits fleißig an einem Videoprojekt gearbeitet haben, als wir noch entspannt unsere Sommerferien genossen haben. Die Videos sollen unterhaltsam über zwei reiche Frauen aus der Urgeschichte erzählen, jeweils basierend auf einem bestimmten Fundstück. Doch anscheinend ist Texte schreiben nicht so das Ding der übrigen Praktikant*innen (man muss anmerken, dass sie sehr viel Arbeit hatten, da sie die Videos sehr professionell und aufwendig gestaltet haben und deswegen ein wenig Hilfe gut gebrauchen konnten), weswegen uns diese schwierige Herkulesaufgabe anvertraut wurde, sobald wir hier aufgetaucht sind. Ziel war es, Texte für beide Videos zu erschaffen, welche interessant sind, Fakten vermitteln und am besten noch mit „hipper Jugendsprache“ zum Zuschauen einladen.

Star des einen Videos (und eigentlich des ganzen Projekts) ist die Hallstatt Ente, das inoffizielle Maskottchen der Hallstattforschung nach urgeschichtlichen Abbildungen, die natürlich auch Text braucht. Doch wie verleiht man einer Ente eine Stimme samt interessanter Persönlichkeit? Glücklicherweise für alle Beteiligten sind wir nicht nur unglaublich witzig und charmant, sondern auch unübertrefflich gut im Texte scheiben… *verlegenes räuspern*

Da saßen also drei 15-jährige und zermarterten sich ihr Hirn über eine Ente. Dazu kommt, dass die Videos zuerst da waren und wir den Text an sie anpassen mussten. Eine weitere Herausforderung war, dass wir die Videos noch nicht hatten, da sie auch noch nicht fertig waren, wir mussten also mit Erzählungen des anderen Teams arbeiten. Mit etwas Hilfe und Input, eigentlich mit viel Hilfe und Input von Helena Seidl da Fonseca, die in den letzten Wochen für uns verantwortlich war, haben wir es aber letztendlich gut hinbekommen und sind eigentlich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn wir einen unserer Lieblingssätze streichen mussten („Und OMG! Ist das etwa eine Klapperblechfibel?!“), da er nicht zu den Szenen gepasst hat.

Jetzt habe ich noch gar nicht erklärt, worum es in den Videos eigentlich geht. Beginnen wir mit dem Hallstatt Video. Es geht um eine gut betuchte Frau aus der Eisenzeit in Hallstatt, die man durchaus als It-Girl ihrer Zeit bezeichnen könnte und die etwas mühsame Schmuckstücke trägt – Klapperblechfibeln. Du hast keine Ahnung was das ist? Hatte ich die längste Zeit meines Lebens auch nicht, ich wusste nicht einmal, dass so etwas existiert. Eigentlich erklärt sich der Name auch von selbst. Es klappert, es ist aus Bronzeblech und es ist eine Fibel, also eine Gewandschließe. Ich bin jetzt mal so naiv und ignoriere den Fakt, dass andere vielleicht schlauer sind als ich und sich schon gedacht haben was das ist. Jedenfalls sind diese Fibeln in der Hallstattzeit der allerletzte Schrei und zeigen den sozialen Status und das Prestige ihrer Trägerin.

In dem Video geht es dann in mehreren Szenen darum, wie das It-Girl aus verschiedenen öffentlichen Einrichtungen in unserer Zeit rausgeworfen wird, weil sie zu laut ist. Was also in der Urgeschichte groß in Mode war, wäre heute gesellschaftlich eher weniger anerkannt. Währenddessen ist die Hallstatt Ente ihre ständige Begleitung und gibt mal positive und mal weniger positive Kommentare ab, abhängig davon, welche der beiden Versionen man anschaut. Das Ende verrate ich jetzt aber nicht, falls es sich noch jemand anschauen möchte. Ursprünglich war geplant beide Videos bei der langen Nacht der Museen am 3.Oktober zu zeigen, jedoch wurde das Event abgesagt. Jetzt werden sie – soweit geplant – bei der European Researchers Night am 27. November zu sehen sein.

Das zweite Video war etwas schwieriger, denn dadurch, dass es keine Erzählfigur wie die Ente gibt, sollte der Text etwas formaler und faktenbasierter sein, ohne dass es zu langweilig wird. Das Video handelt von einer reichen Frau der Bronzezeit, in deren Grab in Franzhausen ein seltener, wertvoller Kopfschmuck gefunden wurde. Wir haben dann den Text im Memorial Style geschrieben, so ähnlich wie man das oft macht, wenn eine berühmte Ikone wie Elvis Presley oder Amy Winehouse verstirbt. So haben wir es geschafft, dass trotzdem noch alle wichtigen Fakten gezeigt werden, es aber auch ein wenig Witz hat.

Mir persönlich hat es etwas mehr Spaß gemacht, den positiven Text für die Ente zu schreiben, denn wir konnten ihre Sätze so schreiben, dass sie eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Als Inspiration haben wir unter anderem typische Sätze von Heidi Klum verwendet, denn wir wollten die Ente als Diva und Modeinteressierte der Hallstätter High Society der Eisenzeit darstellen. Sätze wie „Ne ne  ne Schätzchen, dein Outfit ist nicht wandelbar genug“ und „Oh mein Gott, ist das etwa eine  Klapperblechfibel?!“ gehören zum Repertoire so einer Ente.

Als Abschluss des Projekts gab es noch eine Präsentation der fertigen Videos, bei der alle Beteiligten ein wenig über den Entstehungsprozess gesprochen haben. Das Publikum bestand aus Eltern und Familienangehörigen beider Teams sowie verschiedenster Personen aus der Prähistorischen Abteilung und des Museums. Das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen und die harte Arbeit des anderen Teams, das mehrere Wochen intensiv daran gearbeitet hat, hat sich definitiv ausgezahlt. Auch unsere Texte haben sich gut in die Videos eingefügt und sind so geworden, wie wir uns das gewünscht hatten. Das Publikum war ebenfalls begeistert und ich freue mich, dass wir einen Teil zu dem Projekt beitragen durften.

Zora Mund, 15, kommt im kommenden Schuljahr 2020/2021 in die sechste Klasse des Gymnasium und Realgymnasium Stubenbas

Rekonstruktion des Outfits der bronzezeitlichen Franzhausnerin.
Klapperblechfibeln am rekonstruierten Outfit einer reichen Hallstätterin aus der Eisenzeit.
Mögliches Outfit zu den Klapperblechfibeln mit Überlegungen zum Video.
Beim Besprechen der Ideen.
Vorstellung des vorhandenen Videomaterials und Brainstorming mit den anderen Praktikant*innen.
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