Fundstelle See am Mondsee
Kuratorium Pfahlbauten

Blog

Unter der Oberfläche - Unterwasser-Monitoring 2026 am Attersee und Mondsee

Welterbe
Denkmalpflege
Oberösterreich

Vom 18. bis zum 29. Mai 2026 führte das Tauchteam des Kuratorium Pfahlbauten seine jährliche Monitoringkampagne an den vier UNESCO-Welterbestätten am Attersee und Mondsee durch. Unter der Leitung von Site Manager und Forschungstaucher Henrik Pohl war das Team erneut in die Tiefen dieser einzigartigen Gewässer abgetaucht – verstärkt durch Forschungstaucher:innen der Firma Archeotask vom Bodensee. Als bewährte Tauchbasis diente wie in den Vorjahren der Union Yachtclub Attersee.

Warum regelmäßiges Monitoring unverzichtbar ist

Die prähistorischen Pfahlbausiedlungen am Attersee und Mondsee gehören seit 2011 zum UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen". Was die Stätten so besonders macht – ihre Lage unter Wasser – macht sie gleichzeitig schwer zugänglich und anfällig für schleichende Veränderungen, die an der Oberfläche unsichtbar bleiben. Das Monitoring folgt daher einem bewährten Konzept: Die Forschungstaucher:innen erfassen Veränderungen der Sedimentschichten, überprüfen den Zustand der Festmacherbojen in den Schutzgebieten und dokumentieren den Seegrund sowie die angrenzenden Uferbereiche – umfassend fotografisch und per Video. Nur so lassen sich mögliche Gefährdungen frühzeitig erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen rechtzeitig einleiten.

Litzlberg-Süd/ Attersee: 

Den Auftakt der Kampagne bildete die Welterbestätte Litzlberg-Süd im Attersee. Der Befund fiel erfreulich aus: Am oberflächlichen Zustand des Fundplatzes konnten wir keine wesentlichen Veränderungen feststellen. Auch die Festmacherbojen im Denkmalschutzbereich gaben keinen Anlass zur Sorge. Sie wurden in den vergangenen Jahren vollständig auf ein denkmalgerechtes System umgerüstet, das verhindert, dass Ketten den Seegrund aufwühlen – und alle Anlagen funktionieren weiterhin einwandfrei.

Abtsdorf I und III/ Attersee: 

In den Welterbestätten Abtsdorf 1 und 3 beobachteten wir ähnliche Sedimentationstendenzen wie in Litzlberg-Süd. Deutlich besorgniserregender war jedoch der Zustand der Festmacherbojen: Bei zahlreichen Anlagen funktioniert der Mechanismus zur Anhebung der Bojenketten nicht mehr korrekt. Schleifende und am Boden liegende Ketten verursachen teils massive Störungen des Seegrundes – und bedrohen damit direkt sowohl das UNESCO-Welterbe als auch das natürliche Ökosystem im Gebiet von Abtsdorf/Altenberg. Die Behebung dieser Schäden ist bereits in Arbeit.

See/ Mondsee: 

An der Fundstelle See am Mondsee stellten wir eine leichte Sedimentation fest – grundsätzlich eine positive Entwicklung, da sich auflagerndes Sediment schützend auf die archäologischen Schichten auswirkt. Akut bedroht ist dieser Standort derzeit nicht. Besondere Aufmerksamkeit galt jedoch einer anderen Entwicklung: Die Unterwasservegetation und Tierwelt haben in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Besonders auffällig ist die Ausbreitung der invasiven Quagga-Muschel. Hinzu kommt ein vielfältiger Bewuchs aus Wasserpest, Tausendblatt, Seegras, Seerosen, grünen Algenkonzentrationen und stellenweise Binsen, der weite Bereiche des Seebodens vollständig bedeckt. Im Rahmen des Monitorings untersuchen wir nun systematisch, welche Auswirkungen diese ökologischen Veränderungen langfristig auf die archäologischen Fundstellen haben.

Grundlage für den langfristigen Schutz

Die in diesen zwei Wochen gesammelten Daten sind weit mehr als eine Bestandsaufnahme: Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage, auf der der langfristige Schutz und Erhalt der prähistorischen Pfahlbausiedlungen am Attersee und Mondsee aufbaut. Denn nur wenn wir verstehen, wie sich diese fragilen Stätten unter Wasser verändern, können wir rechtzeitig handeln.

Ein herzlicher Dank gilt dem Union Yachtclub Attersee, der das Team erneut mit einer provisorischen Forschungsbasis und einem Liegeplatz für das Forschungsboot unterstützt hat.