Kuratorium Pfahlbauten - Burgring 7, 1010 Wien
Tel.: +43 (0) 1 521 77 295, Email: info@pfahlbauten.at

Zeitensprung

150 Jahre nach der Entdeckung der ersten Pfahlbauten in Österreich können durch moderne wissenschaftliche Methoden vollkommen neue und außergewöhnliche Erkenntnisse aus diesen einzigartigen archäologischen Quellen unter Wasser gewonnen werden. Für die inhaltliche Gestaltung der Oberösterreichischen Landesausstellung zum Thema Pfahlbauten werden dadurch neue Forschungsergebnisse gewonnen, die eine moderne Interpretation des Phänomens der Pfahlbau-Siedlungen ermöglichen. 
 
In Vorbereitung der Landesausstellung wurde deshalb das mehrjährige Forschungsprojekt "Zeitensprung" zu den prähistorischen Seeufersiedlungen initiiert. Dieses ermöglicht, erste Lücken in der - bislang in der österreichischen Archäologie eher stiefmütterlich behandelten - Pfahlbauforschung zu schließen. Der Forschungsplan, der eine groß angelegte interdisziplinäre Forschungsinitiative für das Land Oberösterreich darstellt, beinhaltet die ersten größeren Unterwasser-Ausgrabungen in Österreich seit mehr als 30 Jahren. Die Untersuchungen zielen generell auf ein Erfassen von Dorfstrukturen, die prähistorischen Umweltbedingungen und die Ermittlung historischer Siedlungsabfolgen ab. 
 
Das Projekt Zeitensprung findet in enger Kooperation mit parallel laufenden Forschungsprojekten, wie etwa BeLaVi-Beyond Lake Villages (Projektleitung: Timothy Taylor - Universität Wien), statt, welche sich mit der archäologischen und paläoökologischen Untersuchung auch des im Hinterland liegenden Umfeldes der Pfahlbausiedlungen am Attersee und Mondsee beschäftigen. 
 
 
Projektleitung:
Jutta Leskovar - Oberösterreichisches Landesmuseum Linz
Stellvertretende Projektleitung:
Cyril Dworsky - Kuratorium Pfahlbauten
Grabungsleitung:
Henrik Pohl - Kuratorium Pfahlbauten
Stellvertretende Grabungsleitung:
Helena Seidl da Fonseca
Projektzeitraum:
2015-2027
 
Forschungsjahr 2018 - Unterwasser-Ausgrabung der Pfahlbauten von Mooswinkel im Mondsee
 
Im Jahr 2018 findet im Rahmen des Forschungsprojektes „Zeitensprung“ eine Unterwasser-Ausgrabung der Pfahlbauten von Mooswinkel im Mondsee durch. Die vierwöchige Grabungskampagne startet am 7. Mai. Mit Mooswinkel konzentrieren sich die Grabungen nach 3 Jahren im Attersee erstmals auf einen ein Pfahlbau im Mondsee.
Mooswinkel gehört zu den spannendsten Befunden in der österreichischen Pfahlbauforschung, da unter anderem Größe und Lage der Fundstelle von verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlich gedeutet werden.
 
 
Forschungsjahr 2017 - Unterwasser-Ausgrabung im Siedlungsareal Weyregg II am Attersee
 
2017 wurden die Grabungen in Weyregg am Attersee abgeschlossen. Insgesamt wurden 12m2 im See geöffnet, dokumentiert und ausgegraben. Bereits direkt an Ort und Stelle wurden alle Funde - insbesondere die Objekte und Proben aus organischen Materialien - erstversorgt und anschließend in die verschiedenen Laboratorien zur Bearbeitung gebracht. Zusätzlich zur archäologischen Auswertung wurden Bohrproben in der Grabungsfläche und im unmittelbaren Umfeld genommen. Diese Bohrkerne wurden nach botanischen Großresten (Österreichische Akademie der Wissenschaften) und auch nach Pollen (Universität Innsbruck) untersucht.
 
Die ersten Analysen der Grabung und auch die C14-Datierungen belegen bisher eine Nutzung der Siedlungsfläche im Zeitraum zwischen ca. 3750 und 3500 v. Chr.
 
Gemeinsam mit der Firma crazy eye wurde, wie bereits 2015 in Seewalchen am Attersee, ein digitales 3D-Modell der Ausgrabung für Weyregg II angefertig. Auf diese Art und Weise kann die Grabung sehr detailliert Schritt für Schritt nachvollzogen werden. Mit crazy eye und der Unterstützung der Österreichischen Bundesforste wurde 2017 auch zum ersten Mal einen Unterwasser-Live-Stream einer Ausgrabung realisiert. Man konnte bequem vom Sofa, aus der Straßenbahn oder vom Ufer des Attersees aus das Grabungsteam bei der Arbeit unter Wasser beobachten und eine Pfahlbauausgrabung live erleben.
 
 
Forschungsjahr 2016 - Unterwasser-Ausgrabung an Weyregg II am Attersee
 
Im Fokus des Forschungsjahres 2016 stand die Pfahlbausiedlung Weyregg II. Aus Weyregg sind zwei neolithische bis bronzezeitliche Seeufersiedlungen (4000-1000 v.Chr.) bekannt. Weyregg I befindet sich im Gebiet der heutigen Anlegestelle der Attersee-Schifffahrt. Diese Siedlung ist durch den Schiffsverkehr heute weitgehend zerstört.
 
Die Siedlung Weyregg II, die sich weiter südlich unterhalb der Bundesstrasse am Fuße des Wachtberges erstreckt, zählt hingegen zu den am besten erhaltenen des Salzkammergutes. In alten Aufzeichnungen wird die Siedlung auch „Puschacher“ genannt. Beide Seeufersiedlungen sind bereits 1871 gefunden worden - ein Jahr nach der Entdeckung der ersten Pfahlbausiedlung am Agerausfluss in Seewalchen. Der frühe Pfahlbauforscher Graf Gundacker von Wurmbrand Stuppach bearbeitete die Stationen, vor allem Weyregg I, im 19.Jahrhundert. In seiner Sammlung aus Weyregg I und II finden sich die typischen Stein-, Horn- und Knochengeräten des Neolithikums, aber auch Bronzeobjekte sind darunter. Weitere Untersuchungen von Weyregg II erfolgten in den 1980er Jahren durch Karl-Heinz Czech sowie 2004 durch Thomas Reitmaier und Cyril Dworsky. Auch diese zeigen in den Sedimentschichten eine zweiphasige Besiedlung auf. 
 
Im März 2016 fanden an beiden Stationen Prospektionen durch Henrik Pohl statt. Dabei zeigte sich, dass sich die Pfahlbaustation Weyregg II aufgrund ihres guten Erhaltungszustandes für weitere wissenschaftliche Untersuchungen besonders anbot. Im Juni 2016 konnten im Zuge der Monitoring-Kampagne der UNESCO-Welterbestätten in Oberösterreich, bei denen sofern möglich auch die andere Pfahlbaustationen mitbetreut werden, umfangreiche Bohrungen in Weyregg II vorgenommen werden. Durch die Bohrungen konnte die geeignetste Stelle für die Unterwasser-Ausgrabung ermittelt und der Grabungsschnitt eingerichtet werden. Vom 12. September - 07.Oktober 2016 hat das Grabungsteam im Süden der Anlage einen 12m2 großer Schnitt geöffnet und die urgeschichtlichen Siedlungsreste unter Wasser ergraben.
 
Mit der Forschungsgrabung des Projektes Zeitensprung wurden erstmals C14-Analysen in Weyregg II durchgeführt, um die Besiedlungsphasen genauer bestimmen zu können. Ebenso wurden Proben für die Dendrochronologie und die Pollenanalyse genommen. Aus der Grabung konnte zudem stratifiziertes Keramikmaterial gewonnen werden, wodurch sich der Kenntnisstand zur wissenschaftlich höchst interessanten Mondsee-Gruppe verbesserte.
 
 
Forschungsjahr 2015 - Unterwasser-Ausgrabung an Seewalchen I am Attersee
 
Eine Grabung in der Siedlung Seewalchen I stellte im Jahr 2015 den Auftakt des Projektes dar. Der Grabung, im Bereich des heutigen Strandbades Seewalchen, voraus ging ein erster Testlauf  in der Zeit vom 30.03.2015 bis zum 02.04.2015 unter maßgeblicher Beteiligung von Dr. M. Mainberger (Hemmenhofen Training Centre for Inland Water Archaeology). Aus der Siedlung Seewalchen I (4000-2500 v.Chr.), die als erste Pfahlbaustation im Salzkammergut 1870 entdeckt wurde, stammen auch bedeutende Funde aus der Kupferzeit (4000-2500 v.Chr.) und der Bronzezeit (2500-1000 v. Chr). 1957 wurde in einem zentralen Bereich eine tiefe Grube zum Turmspringen ausgehoben. An den Wänden dieser Sprungturmgrube traten deutlich die Schichten und Pfähle des ehemaligen Pfahlbaudorfes hervor. Eine archäologische Dokumentation der Abbruchkanten (= Profile der Seeufersiedlung) war die Voraussetzung für eine Absicherung der Grubenwände, um das weitere Abbrechen von Sedimenten und prähistorischen Siedlungsresten zu verhindern. Unser Team von archäologischen ForschungstaucherInnen, Konservatorinnen und Studierenden der Urgeschichte und Historischen Archäologie der Universität Wien untersuchte die prähistorische Pfahlbausiedlung Seewalchen I am Attersee vom 05.-30.10.2015 und bereitete damit unter anderem diese denkmalpflegerische Maßnahme vor.
 
Durch die Ausgrabung gelang es auch, eine erste Stratigraphie von Seewalchen I zu erarbeiten und ausreichend Material für verschiedene naturwissenschaftliche Untersuchungen (Palynologie, Grossrestanalyse, Sedimentologie (Siedlungshorizonte), Holzbestimmung und Dendrochronologie) zu gewinnen. 

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: