Zeitensprung 2026 - Endspurt am Attersee
Im Mai fand die diesjährige Feldforschungskampagne des Projekts „Zeitensprung" statt – es geht langsam in den Endsprt, bevor die Ergebnisse aus über zehn Jahren Forschungsarbeit bei der OÖ KulturExpo 2027 der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Vom 4. bis 15. Mai tauchten die Forschungstaucher:innen des Kuratorium Pfahlbauten erneut in der Bucht zwischen Kammer und Seewalchen am Attersee, um prähistorische Kulturschichten zu untersuchen. Das Team, das dieses Jahr durch Taucher:innen vom Bodensee verstärkt wurde, konnte alle gesteckten Ziele erreichen – und kehrte gesund nach Hause zurück. Die laufende Nachbearbeitung und Auswertung des gewonnenen Materials haben damit begonnen.
Beschädigte Denkmäler unter Wasser
Im Bereich der Steganlage der Attersee-Schifffahrt und entlang der Seeufer zwischen Kammer und Seewalchen haben die Forschungen der vergangenen Jahre ein beunruhigendes Bild ergeben: Das unter Wasser liegende Denkmal verändert sich messbar. Da die Reste der prähistorischen Siedlungen direkt in einer Zone liegen, die durch Motorboote und Fahrgastschiffe belastet wird, besteht akuter Handlungsbedarf. Südlich des Stegkopfes sind inzwischen zahlreiche prähistorische Pfähle freigelegt worden – ein deutliches Zeichen für den fortschreitenden Abbau der schützenden Sedimentschichten.
In diesem Bereich wurden nun systematische Oberflächenaufnahmen mit Holzbeprobungen durchgeführt. Nach einer dendroarchäologischen Analyse – also der Untersuchung der Holzringe zur Datierung und Herkunftsbestimmung – sollen die gewonnenen Daten helfen, die Siedlungsstruktur in diesem Gebiet besser zu verstehen.
Ein neu entdecktes Siedlungsareal
Besonders spannend war in diesem Jahr die Voruntersuchung eines neu entdeckten Siedlungsareals im Bereich der bereits bekannten Fundstelle Seewalchen I. Dort waren im November 2025 ein ausgedehntes Pfahlfeld sowie markante Kulturschichtansammlungen entdeckt worden. Die Fläche liegt in einer Wassertiefe von nur etwa 1,5 bis 2 Metern – einerseits günstig für die Untersuchung, andererseits besonders gefährdet durch Wellenschlag und mechanische Einwirkungen.
Im Rahmen der diesjährigen Kampagne wurde zunächst der Umfang des Pfahlfeldes dokumentiert. Ergänzend dazu wurden entlang von vier Bohrfluchten insgesamt 44 Kernbohrungen abgeteuft, um Ausdehnung und Aufbau der Kulturschichten systematisch zu erfassen. Diese Daten, kombiniert mit Bohrkernproben für C14-Datierungen, liefern eine wichtige Grundlage für die abschließende Auswertungsphase des Projekts.
Warum Forschung wichtig ist
Das bessere Verständnis der urzeitlichen Seeufersiedlungen ist nicht nur von wissenschaftlichem Interesse: Es ist auch Voraussetzung dafür, diese einzigartigen Denkmäler langfristig schützen und bewahren zu können. Was wir nicht kennen, können wir nicht schützen.
Herzlichen Dank!
An die Gemeinde Seewalchen für die Bereitstellung eines Liegeplatzes und einer provisorischen Forschungsbasis.
Und an den Verein Pfahlbau am Attersee für die gemeinsame Organisation und Durchführung des "Tag der Pfahlbauforschung", bei dem Interessierte mit den Vermittler:innen und Forscher:innen ins Gesräch kommen konnten.
Über das Projekt „Zeitensprung"
Das Projekt ist Teil einer groß angelegten Forschungsinitiative, die im Zuge der Aufnahme von 111 Fundstellen in die UNESCO-Welterbeliste (Prehistoric Pile Dwellings around the Alps) ins Leben gerufen wurde. Die Pfahlbauforschung war in Österreich lange vernachlässigt worden und stand im internationalen Vergleich deutlich zurück. Mit neuen und innovativen Methoden werden die Kenntnisse zu den urgeschichtlichen Siedlungen an Attersee und Mondsee nun systematisch erweitert. Die Ergebnisse fließen in eine oberösterreichische Ausstellung zum Thema Pfahlbauten ein.
Die Projektleitung liegt bei Dr. Jutta Leskovar (Oberösterreichische Landes Kultur GmbH) und Mag. Cyril Dworsky (Kuratorium Pfahlbauten).