Eisenbahnbrücke in Wels
Max Fiederling

Blog

Unterwasserarchäologie in Wels – Auf der Suche nach römischen Spuren

Forschung
Oberösterreich

Das Kuratorium Pfahlbauten unterstützt die Forschung des Projektteams der Universität Trier bei Taucharbeiten in der Traun.

Auf der Suche nach römischen Spuren

Unterwasserarchäologie in Wels

Auf einem Boot in der Traun, starker Schneefall, man sieht die Hand kaum vor Augen. Dennoch steigen drei Taucher in ihren Anzügen und Vollgesichtsmasken in die Tiefe hinab und suchen am Grund nach Überresten einer römischen Brücke. Der Fluss gibt seine Geheimnisse nicht leicht preis.

Auf Einladung von Stefan Traxler (OÖ Landes-Kultur GmbH) und in enger Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Pfahlbauten führte das Team des ERC STRADA (Grant agreement No. 101001835) von Prof. Leif Scheuermann der Universität Trier letzte Woche Unterwasserprospektionen durch. 

Im Verlauf des STRADA Projekts arbeitete das Team bereits mehrfach mit Stefan Traxler und anderen Mitgliedern des Forum Donaulimes gewinnbringend zusammen. Zum Kuratorium Pfahlbauten hielt Dr. Fiederling seit seinen Grabungsteilnahmen in Weyregg II und Mooswinkel im Projekt Zeitensprung engen Kontakt und so formte sich diese sehr harmonische Trinität, um im Rahmen von STRADA gemeinsam Fragen nach dem Flussübergang bei Ovilava nachzugehen.

Die Forschungstaucher Max Fiederling, Henrik Pohl und Markus Hochhold entlockten an zwei Tagen dem Fluss seine Geheimnisse. Zwei Fragen wurde konkret auf den Grund gegangen: gibt es unter der heutigen Eisenbahnbrücke, wie Sonardaten zuletzt erneut nahelegten, Überreste einer römischen Brücke zwischen Wels und Thalheim – und wie verhält es sich mit weiteren Fragmenten eines bronzenen Reiterstandbildes, das Fischer in der Vergangenheit bereits am Südufer teilweise entdeckt hatten.

Der erste Tag war abenteuerlich: Draußen kalt und weiß, doch unter Wasser war die Sicht überraschend gut. Wir konnten die Anomalien unter der Eisenbahnbrücke lokalisieren und Gesteinsproben nehmen – ein wichtiger Schritt, um alte Fragen nach Herkunft und Funktion der Blöcke endlich mit neuen Daten beantworten zu können. 

Der zweite Tag stellte uns vor größere Herausforderungen. Schneeschmelze, schlechte Sicht und eine zunehmend starke Strömung ließen nur eine Teiluntersuchung des Südufers zu. Vom Boot aus unterstützten uns die Freiwillige Feuerwehr Wels sowie Christian Beck, Stefan Traxler und Leif Scheuermann – ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Prof. Scheuermann konnte einen neuen M2 Chasing ROV, einen Unterwasserroboter, unterstützend vor Ort am Flussgrund einsetzen.

Haben wir gefunden, was wir gesucht haben? Teilweise. Es scheint als hätte an der Stelle der Eisenbahnbrücke, wie in Altkarten schemenhaft auch zu erkennen, einst eine natürliche, steinerne Insel gelegen. Wurde Sie bereits in römischer Zeit genutzt um eine Brückenkonstruktion von beiden Ufern aus aufzunehmen? Überreste einer massiven römischen Brücke aus Stein, Blöcke mit den dazu passenden Spuren und dem zu erwartenden Material konnte keine angetroffen werden. Dafür Blöcke aus Granit, die dort auch nicht natürlich anstehen und sich offenbar von der modernen Uferbefestigung unterscheiden. Doch die genaue Auswertung der Proben läuft noch, und das Südufer wartet in einer angedachten Fortsetzung für die Zukunft vielleicht nochmal auf uns.

Wenn wir können, kommen wir wieder. Erst einmal geht es im Juni nach Graz, zur Abschlusstagung des ERC STRADA, welche dort vom 03. bis 05.06.2026 stattfinden wird. Bei Interesse einfach anmelden unter: cbeck@uni-trier.de

Prospektion in der Traun bei Wels

Heutige Eisenbahnbrücke über die Traun bei Wels.

Bei Schnee und Kälte geht´s ab ins Wasser.

Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr Wels.

Sichtbare Anomalien in den Sonardaten.

Taucher nimmt eine Gesteinsprobe unter Wasser.

Riesige Blöcke aus Granit liegen unter der heutigen Brücke.

Untersuchungen mit dem M2 Chasing ROV - einem Unterwasserroboter.