Die Siedlungsreste liegen teilweise sehr exponiert im flachen Wasser.
Kuratorium Pfahlbauten

Pressemitteilung

Lokales Kultur

Keutschach/Kärnten

22. 9. 2026

Gemeinsam unter Wasser: Welterbe am Keutschacher See schützen und neue Spuren entdecken

Nach dem Abschluss umfangreicher Schutzmaßnahmen wird die UNESCO-Welterbestätte auch 2026 vom Kuratorium Pfahlbauten kontrolliert. Im Oktober kommt gemeinsame Forschung hinzu: Im Projekt Aqua Cultural Heritage – geleitet von der Universität Wien, gemeinsam mit dem Kuratorium Pfahlbauten, dem Naturhistorischen Museum Wien, dem Bundesdenkmalamt und der Universität Innsbruck – wird der gesamte See mit modernen Prospektionsmethoden auf weitere archäologische und historische Spuren untersucht. Bei einem Informationsnachmittag am 14. Oktober können Besucher:innen Aktuelles zur Unterwasserarchäologie in Kärnten kennenlernen und erfahren, wie auch die Bevölkerung zur Erforschung und zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser beitragen kann.

Rund 6000 Jahre Geschichte liegen auf dem Grund des Keutschacher Sees verborgen. Auf einer Untiefe mitten im See befinden sich die Überreste einer jungsteinzeitlichen Siedlung. Seit 2013 wird die UNESCO-Welterbestätte vom Kuratorium Pfahlbauten regelmäßig überwacht.

Nach dem Abschluss umfangreicher Schutzmaßnahmen stehen nun zwei Aufgaben im Mittelpunkt, die eng zusammengehören: Das Kuratorium Pfahlbauten kontrolliert, wie sich die geschützten Bereiche und die Fundstelle insgesamt entwickeln. Gleichzeitig sucht das Forschungsprojekt Aqua Cultural Heritage, an dem das Kuratorium selbst als Partner beteiligt ist, nach bislang unbekannten archäologischen und historischen Spuren im See.

Schützen, was bekannt ist

Unter Wasser im Keutschacher See liegt weit mehr als eine Ansammlung von Pfählen. In den erhaltenen Kulturschichten stecken Informationen über das Leben der Menschen vor rund 6000 Jahren – über ihre Umwelt, ihre Ernährung, ihre handwerklichen Fähigkeiten und ihre Siedlungsweise.

Doch die Fundstelle ist empfindlich. Sie liegt auf einer Untiefe in geringer Wassertiefe und ist teilweise nur von einer dünnen Schicht Sediment bedeckt. Erosion, Wellenschlag und Strömung können diese schützende Sedimentschicht abtragen. Auch Tiere wie der Zander und menschliche Aktivitäten können den Seegrund verändern.

Seit 2019 wurden deshalb besonders gefährdete Bereiche schrittweise mit speziellen Schutzmatten aus Basaltgeflecht abgedeckt. Im vergangenen Jahr konnte diese umfangreiche Sicherung abgeschlossen werden. Nun müssen sich die Maßnahmen langfristig bewähren.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel dafür getan, die besonders gefährdeten Bereiche der Fundstelle zu schützen. Jetzt ist es wichtig, genau zu beobachten, wie sich die geschützten Bereiche entwickeln. Das Monitoring zeigt uns, ob die Maßnahmen funktionieren und ob irgendwo neue Gefährdungen entstehen“, erklärt Lieselore Meyer, Site Managerin des Kuratorium Pfahlbauten in Kärnten.

Was passiert unter Wasser?

Bei den jährlichen Tauchgängen werden unter anderem die Schutzabdeckungen kontrolliert, Erosionsmarker überprüft und Veränderungen am Seegrund dokumentiert. Die Untersuchungen ermöglichen es, die Entwicklung der Fundstelle über viele Jahre hinweg zu vergleichen.

„Bei einem Denkmal an Land sieht man meist sofort, wenn sich etwas verändert. Bei einem archäologischen Fundplatz unter Wasser ist das anders. Wir müssen Veränderungen erkennen, bevor ein Schaden entsteht. Genau dafür brauchen wir die regelmäßigen Kontrollen – besonders bei einem UNESCO-Welterbe“, so Meyer.

Entdecken, was noch verborgen ist

Aqua Cultural Heritage ist ein Gemeinschaftsprojekt: Unter der Leitung des Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS) der Universität Wien arbeiten das Kuratorium Pfahlbauten, das Naturhistorische Museum Wien, das Bundesdenkmalamt und die Universität Innsbruck zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Methoden, um das Kulturerbe unter Wasser in Österreichs Seen und Flüssen zu dokumentieren, zu überwachen und zu schützen. Der Keutschacher See ist einer der Untersuchungsseen des Projekts.

Im Oktober arbeiten das Monitoring-Team des Kuratoriums und das Projektteam von Aqua Cultural Heritage deshalb für ein paar Tage Hand in Hand: Während die Taucher:innen die Fundstelle kontrollieren, untersucht der Archäologe und Forschungstaucher Stefan Krojer (VIAS) mit einem Forschungsboot systematisch den See. Zum Einsatz kommt unter anderem ein Side-Scan-Sonar. Das Gerät sendet Schallimpulse zum Seegrund und erzeugt daraus großflächige Bilder seiner Oberfläche. Auffällige Formen und Strukturen werden so auch dort erkennbar, wo man sie von der Wasseroberfläche aus nicht sehen kann.

Die Ergebnisse ergänzen einander: Das Monitoring liefert genaue Kenntnis der bekannten Fundstelle, das Sonar zeigt, was sich im übrigen See verbirgt. Dabei geht es nicht nur um weitere Spuren aus der Zeit der Pfahlbauten. Gesucht werden Hinweise aus allen Epochen – von prähistorischen Strukturen bis zu jüngeren Zeugnissen der Nutzung des Sees.

Auch die Bevölkerung kann mitforschen

Aqua Cultural Heritage setzt dabei nicht nur auf moderne Technik und archäologische Forschung. Auch Beobachtungen aus der Bevölkerung sind ausdrücklich willkommen.

Wer beim Schwimmen, Tauchen, Fischen oder bei anderen Aktivitäten in und an Gewässern Österreichs ungewöhnliche Strukturen oder mögliche Funde beobachtet, kann diese dem Projektteam melden. Fotos, Positionsangaben oder Beschreibungen können wichtige Hinweise liefern und helfen, bislang unbekanntes Kulturerbe aufzuspüren.

Denn längst nicht jede archäologische oder historische Struktur unter Wasser ist bekannt oder wissenschaftlich erfasst. Jeder gut dokumentierte Hinweis kann dazu beitragen, das Wissen über die Geschichte unserer Seen zu erweitern und gefährdetes Kulturgut rechtzeitig zu erkennen.

Informationen zum Forschungsprojekt Aqua Cultural Heritage: www.aquaheritage.at

    

Informationsnachmittag:

Archäologie unter Wasser: Schutz und neue Forschung am Keutschacher See

14. Oktober 2026

15:00–17:00 Uhr

Gerti´s Strandbad, Keutschach

Bei einem gemeinsamen Informationsnachmittag geben das Kuratorium Pfahlbauten und das Projektteam von Aqua Cultural Heritage Einblick in ihre aktuellen Arbeiten am Keutschacher See.

Die Besucher:innen erfahren, wie der Zustand einer archäologischen Fundstelle unter Wasser überwacht wird, welche Gefährdungen bestehen und wie die empfindlichen Kulturschichten langfristig geschützt werden.

Gemeinsam zeigen sie außerdem, wie der Keutschacher See mit neuen technischen Möglichkeiten großflächig untersucht werden kann. Präsentiert werden unter anderem die Prospektionen mit Side-Scan-Sonar. Auch Möglichkeiten zur Beteiligung werden vorgestellt: Besucher:innen erfahren, wie Beobachtungen und Fundmeldungen aus der Bevölkerung dazu beitragen können, das Kulturerbe unter Wasser zu entdecken, zu erforschen und zu schützen.

Hintergrundinformation

Die Fundstelle im Keutschacher See ist Teil des transnationalen UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, das 111 Fundstellen in sechs Ländern umfasst.

Das Kuratorium Pfahlbauten führt seit 2013 regelmäßige unterwasserarchäologische Monitoringmaßnahmen an der Fundstelle durch. Dabei werden natürliche und menschliche Gefährdungen dokumentiert und Grundlagen für gezielte Schutzmaßnahmen geschaffen. Seit 2019 kommen unter anderem Schutzabdeckungen aus Basaltgeflecht zum Einsatz.

Aqua Cultural Heritage (www.aquaheritage.at) ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Wien (VIAS) in Kooperation mit dem Kuratorium Pfahlbauten, dem Naturhistorischen Museum Wien, dem Bundesdenkmalamt und der Universität Innsbruck. Es widmet sich der digitalen Dokumentation, dem Monitoring und dem Schutz des archäologischen und historischen Kulturerbes unter Wasser in Österreich, untersucht Gefährdungen wie invasive Arten und bindet die Bevölkerung, insbesondere Sporttaucher:innen, als Citizen Scientists ein. Fundmeldungen und Beobachtungen können helfen, bislang unbekannte Fundstellen zu erkennen und für Forschung und Denkmalschutz zu dokumentieren.

Rückfragehinweis
Kuratorium Pfahlbauten
Mag. Dr. Lieselore Meyer
Site Management Kärnten
Keutschach 1
9074 Keutschach am See
Tel.: +43 (0)699 1927 6074
E-Mail: meyer@pfahlbauten.at

Bildmaterial
Sie finden das Bildmaterial in printfähiger Auflösung im Pressebereich unserer Website www.pfahlbauten.at/info/presse.

 

Fundstelle im Keutchacher See aus der Luft

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Die Fundstelle im Keutschacher See aus der Luft.
Bildnachweis: Kuratorium Pfahlbauten

Die Siedlungsreste liegen teilweise sehr exponiert im flachen Wasser. Bildnachweis: Kuratorium Pfahlbauten

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Die Siedlungsreste liegen teilweise sehr exponiert im flachen Wasser.
Bildnachweis: Kuratorium Pfahlbauten

 

Stefan Krojer bei der 3D-Aufnahme eines Einbaums aus dem Klopeiner See (Datierung: 400 n. Chr.)

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Stefan Krojer bei der 3D-Aufnahme eines Einbaums aus dem Klopeiner See (Datierung: 400 n. Chr.)