Schutzmaßnahmen Keutschacher See 2019

Infomaterial
Informationen zur Fischerei
Der 2019 aktualisierte Informationsflyer zur Fischerei am Keutschacher See im...

Seit ihrer Ernennung zum UNESCO-Welterbe, Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ werden die fünf österreichischen Fundstellen durch ein regelmäßiges unterwasserarchäologisches Monitoring des Kuratorium Pfahlbauten überwacht. Das Monitoring an der Untiefe im Keutschacher See, im Bereich der prähistorischen Siedlung, wird seit 2013 durchgeführt. Dabei konnten an der 6000 Jahre alten Pfahlbausiedlung mehrere natürliche und vom Menschen verursachte Eingriffe in die UNESCO-Welterbestätte beobachtet werden. Die Untiefe, und damit die dort befindlichen prähistorischen Hinterlassenschaften, ist nur von einer dünnen Schlick- und Sandschicht überdeckt. Der sehr flache Bereich der Pfahlbausiedlung ist deshalb besonders gefährdet.

Bei den für die Fundstelle gefährlichsten Faktoren handelt es sich einerseits um die Fische selbst, namentlich den Zander, der in der Laichzeit große Gruben auf der Kuppe der Untiefe freiwedelt, wodurch die hölzernen Pfähle und die erhaltene Kulturschicht nicht nur freigelegt, sondern regelrecht abgetragen werden. Andererseits ist, trotz des markierten Bereichs, in dem das Fischen untersagt ist, innerhalb der Fundstelle eine weiterführende Befischung dieses Bereiches zu beobachten. Dies zeigen durch Angelschnüre abgetrennte Pfahlköpfe und Schäden an der Fundstelle durch Angelhaken und Bootsanker. Schnüre und Haken an den zur Kontrolle eingebrachten Erosionsmarkern belegen, dass diese nicht in einem früheren Zeitraum verloren wurden. Auch die natürliche Gefährdung ist nicht zu vernachlässigen. Messungen der Erosionsvorgänge im Bereich der Untiefe zeigen den Abtrag von Sediment sowohl auf der Kuppe als auch an den Abhängen der ehemaligen Insel, was die Kulturschicht gefährdet.

Mit der Ratifizierung der UNESCO Welterbe Konvention im Jahr 1992 hat sich die Republik Österreich dazu verpflichtet, für Schutz und Erhalt von Welterbestätte Sorge zu tragen. Um diesen Schutz zu gewährleisten müssen nun individuell für die im Monitoring erkannten Gefährdungsursachen im Keutschacher See angepasste Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Der internationale Vergleich mit Fundstellen im Bodensee und Zürichsee zeigt die Wirksamkeit von Schutzabdeckungen über empfindlichen Bereichen gegen Erosion und andere Gefahren. Um diese Maßnahme auf die individuelle Situation im Keutschacher See anpassen zu können, werden ab Oktober 2019 verschiedene Materialien kleinräumig getestet und ihre Wirkung für den Schutz der Kulturschicht beobachtet, dokumentiert und ausgewertet. Diese Daten bilden die Grundlage für weitere Schutzmaßnahmen in Abstimmung mit der Seeeigentümerin, der Gemeinde, dem Bundesdenkmalamt, dem Bundeskanzleramt und ICOMOS Österreich.

Die zeitgemäßen Anforderungen an die Schutzabdeckungen sind sowohl die bestmögliche Verträglichkeit für die Umwelt des Sees, weshalb nur naturschutzkonforme Materialien zur Anwendung kommen, als auch optimaler Schutz für die Fundstelle, weshalb die Materialien gasdurchlässig sein müssen, um eine vermehrte organische Zersetzung der Kulturschicht zu vermeiden. Daher werden zwei verschiedenen Kokosfasergewebe, gelochte Matten aus Naturgummi und solche aus Jutegewebe getestet. Befestigt werden diese mit Holzhaften und Stahlbügeln. Die Auswirkungen der eingebrachten Schutzabdeckungen werden im Frühjahr 2020 erstmals überprüft. Danach werden die Daten jährlich ausgewertet und langfristig die beste mögliche Variante bestimmt.

Die Gefährdung für die Fundstelle durch die Befischung ist leider durch die Schutzabdeckungen nicht zu verhindern. Im Gegenteil: in den Matten können sich Angelhaken verfangen und ebenso wie ein einziger Anker ganze Abdeckungen aus dem Verband reißen, die Testreihe unwirksam machen und den Schutz der Fundstelle aufheben. Dies macht die Durchsetzung und Einhaltung einer fischerei- und ankerfreien Zone im markierten Bereich und somit das Verständnis und die Unterstützung der FischerInnen selbst unerlässlich. Nur so kann die UNESCO-Welterbestätte im Keutschacher See für die Zukunft erhalten werden.

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: