Ergebnisse zur Unterwasser-Ausgrabung in Seewalchen

17. Juni 2019 - Wien/Seewalchen am Attersee, 14.6.2019
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Die Archäologin und Forschungstaucherin Helena Seidl da Fonseca hat am 12. Juni 2019 den bisherigen Stand der Erkenntnisse zur unterwasserarchäologischen Ausgrabung in Seewalchen präsentiert. Die Veranstaltung im Rathaus war vom Verein Pfahlbau am Attersee in Kooperation mit der Gemeinde und dem Kuratorium Pfahlbauten durchgeführt worden.

„Wir sind sehr glücklich, nun endlich die Ergebnisse der Ausgrabung von 2015 in der Gemeinde Seewalchen präsentieren zu können.“, freute sich Seidl da Fonseca, die bei den Grabungsarbeiten in der Sprungturmgrube im Strandbad selbst unter Wasser mitgewirkt hatte. Die Untersuchungen sind Teil der Vorarbeiten für die oberösterreichische Landesausstellung zum Thema „Pfahlbauten“, welche 2027 in den Gemeinden Attersee, Seewalchen und Mondsee stattfinden wird.

In ihrem Vortrag „Neues aus der Jungsteinzeit – Unterwasserarchäologische Forschungsergebnisse aus Seewalchen am Attersee“ berichtete Seidl da Fonseca nicht nur über die Besonderheiten der Pfahlbausiedlung in Seewalchen. Sie erklärte auch, mit welchen Herausforderungen sich die Unterwasserarchäologie in Österreich konfrontiert sieht.

Die Archäologin, die seit heuer gemeinsam mit Henrik Pohl für die Leitung der Ausgrabungen im Forschungsprojekt „Zeitensprung“ zuständig ist, betonte dabei: „Mit dem Projekt Zeitensprung wird die sich seit 30 Jahren im Dornröschenschlaf befindende Unterwasserarchäologie in Österreich vorangetrieben und neu aufgebaut.“ Die Grabung in Seewalchen zeige, wie reich man für diesen mitunter durchaus mühsamen Neustart belohnt werde.

So konnten unter anderem neue Datierungen gewonnen werden, die zeigen, dass die Menschen im Bereich des heutigen Standbades der Gemeinde Seewalchen vor allem im Zeitraum 3700 bis 3500 vor Christus aktiv waren. Die besondere Lage direkt am Attersee-Ausfluss dürfte jedoch schon früher als Siedlungsplatz geschätzt worden sein. So gebe es Hinweise auf eine Siedlungsaktivität in der Zeit von 4300 bis 4100 vor Christus. Ein Pfahl und ein liegendes Holz aus der Zeit zwischen 6200 bis 5950 v.Chr. lassen an so etwas wie eine Fischfangstation denken.

„Der Siedlungskomplex um den Agerausfluss ist einer der größten unter den Seeufersiedlungen in Österreich. Durch die Ager besteht auch eine Verbindung zur Traun, die bei Linz in die Donau mündet.“, erläuterte Seidl da Fonseca. Damit wäre ebenfalls eine strategisch günstige Position im urgeschichtlichen Handels- und Transportverkehr gegeben. Um die Bedeutung der Station von Seewalchen in der Urgeschichte besser verstehen zu können, brauche es weitere Forschungsarbeit an den Seeufern und dem Hinterland der Seen. Der Aufbau eines Netzwerkes an Forscherinnen und Forschern, die sich dieser Aufgabe stellen, sei Teil der Arbeit des Kuratorium Pfahlbauten, dessen Hauptaufgabe im Management der österreichischen UNESCO-Pfahlbauten besteht.

Die Analysen sämtlicher geborgenen Materialien in Seewalchen sei noch nicht abgeschlossen, was am – durchaus internationalen - Mangel an Spezialistinnen und Spezialisten liege. Dennoch sind auch die Analysen bereits weit gediehen. So konnten etwa noch Druschreste frühen Getreides, wie Einkorn, Emmer und Gerste, gefunden werden. Kerne früher Wildapfelsorten, aber auch Samenreste von Brombeeren und Erdbeeren innerhalb der Kulturschicht belegten, dass zu dieser Zeit neben dem Anbau von Getreide noch viel gesammelt wurde. Außerdem dürfte die Jagd noch eine bedeutende Rolle in diesen Gesellschaften gespielt haben, wie zahlreiche Pfeilspitzen aus Hornstein, aber auch Tierknochen belegten.

Nach der Ausgrabung in Seewalchen wurde die Sprungturmgrube verschalt und damit die prähistorischen Überreste in dem Bereich gesichert. Seit 2015 fanden weitere Grabungen in Weyregg am Attersee (2016-2017) und Innerschwand am Mondsee (2018-2019) statt.

Hintergrundinformationen
Das Forschungsprojekt „Zeitensprung“ wird finanziert vom Land Oberösterreich. Die Projektleitung haben Jutta Leskovar vom Oberösterreichischen Landesmuseum und Cyril Dworsky vom Kuratorium Pfahlbauten inne. Das Projekt ist Teil einer großen Forschungsinitiative zum Thema „Pfahlbauten“, die durch die Aufnahme von 111 Pfahlbau-Siedlungen in das UNESCO-Welterbe „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ angeregt wurde.

Bildmaterial
Bilddatei: PA_190614_VortragUnterwassergrabung_1
Bildunterschrift: Diese Perlen, darunter auch ein unfertiger Rohling, wurden bei der Ausgrabung in Seewalchen gefunden.
Bildnachweis: (Bild: OÖLM - Kuratorium Pfahlbauten)

Bilddatei: PA_190614_VortragUnterwassergrabung_2
Bildunterschrift: (v.l.n.r.) Alfons Egger vom Verein Pfahlbau am Attersee, Helena Seidl da Fonseca, Henrik Pohl und Carmen Löw vom Kuratorium Pfahlbauten, Bürgermeister Johann Reiter.
Bildnachweis: (Bild: Gemeinde Seewalchen)

Rückfragehinweis
Kuratorium Pfahlbauten
Mag. Carmen Löw
Public Relationship und Presse
Burgring 7
1010 Wien
Tel: +43 (0)699 181 05410
E-Mail: loew@pfahlbauten.at

 

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Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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