Pilotprojekt zur Prospektion der prähistorischen Pfahlbausiedlungen am Traunsee

5. Oktober 2020

Seit dem 19.Jahrhundert sind prähistorische Pfahlbausiedlungen im Salzkammergut an den Seen Attersee und Mondsee bekannt. Damals gab es einen richtigen Wettlauf zwischen den Forschern sensationelle Funde versunkener Siedlungen aus der Urzeit zu machen. Alle möglichen Seen rund um die Alpen wurden abgesucht und eine Entdeckung folgte der nächsten. 1864 fand Ferdinand Hochstetter die erste Pfahlbausiedlung Österreichs in Kärnten am Keutschacher See. 1870 entdeckte Graf Ladislaus Gundacker Wurmbrand-Stuppach die ersten Pfahlbaustationen am Ausfluss des Attersees. Nur kurz darauf wurde am Ausfluss des Mondsees eine Siedlung von Matthäus Much entdeckt, welche namengebend für die berühmte Mondseekultur wurde. Zwei dieser Entdeckungen zählen seit 2011 auch zum UNESCO Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ und werden vom Kuratorium Pfahlbauten betreut.

Auch am Traunsee vermutete bereits Rudolf Kner 1865 potentielle Siedlungsplätze in seinem „Bericht über die Untersuchungen der Seen Oberösterreichs bezüglich etwa vorhandener Pfahlbauten“. Besonders die Insel des Seeschlosses Ort (Gmunden) schien ihm ein geeigneter Siedlungsplatz für diese. In der Nähe und um die Insel Ort herum kamen mit der Zeit auch Artefakte aus dem Neolithikum zum Vorschein, doch eine Pfahlbaustation konnte bis heute nicht aufgefunden werden. Eine genaue Untersuchung des Geländes, auch unter Wasser, könnte an dieser Stelle also noch zu Aufdeckungen führen.

Graf Gundacker Wurmbrand-Stuppach beschreibt eine Fundstelle am Ausfluss des Traunsees in Gmunden. Sollte hier eine bestanden haben, wurden die Reste dieser Siedlung durch die Errichtung der Uferpromenade und den Brückenbau bereits zerstört. Untersuchungen des Pfahlbauforschers Johann Offenberger bei einer Bestandsaufnahme des Bundesdenkmalamtes in den 1980er Jahren konnten keine Siedlungsspuren mehr ausmachen.

Doch die Tauchuntersuchungen des Denkmalamtes am Traunsee blieben nicht ohne Erfolg. Im Bereich der Halbinsel der Gemeinde Traunkirchen wurden 1981 Siedlungsreste eines urgeschichtlichen Pfahlbaus dokumentiert. Im Uferbereich vor dem Kloster hatte die Linienschifffahrt die schmale Fahrrinne verfehlt und einen tiefen Graben in den Seeboden gerissen. In diesem Graben wurde die Erhaltung einer mächtigen Kulturschicht mit Fundobjekten aus der frühen bis mittleren Hallstattzeit (ca. 1000-600 v. Chr.) sichtbar.

Seit langem ist in Traunkirchen im Bereich des Klostergartens eine archäologische Fundstelle der Hallstattkultur bekannt. Es handelt sich um ein eisenzeitliches Gräberfeld mit reichen Beigaben, das dem Gräberfeld beim Salzbergwerk in Hallstatt ähnelt. 1994 konnten bei Ausgrabungen vor dem Kloster sogar Reste hallstattzeitlicher Häuser dokumentiert werden. Weitere Forschungen wurden aus Kostengründen jedoch nicht unternommen, dabei könnte die Traunkirchner Halbinsel eine wichtige Rolle als Umschlagplatz im urgeschichtlichen Salzhandel gespielt haben.

Ein diesjähriges Prospektionsprojekt versucht das Potential der archäologischen Fundzonen an Land und unter Wasser für weitere Forschungen in Traunkirchen ausfindig zu machen. Die archäologischen Prospektionsarbeiten werden vom Traunkirchner Museumsverein ArcheKult, der Gemeinde Traunkirchen und dem Bundesdenkmalamt gefördert. Die Prospektionen an Land werden vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Peter Trebsche durchgeführt. Die unter Wasser liegenden Areale untersucht das Team des Kuratoriums Pfahlbauten. Das Projekt findet in Kooperation mit der Gemeinde Traunkirchen und in enger Abstimmung mit der OÖ Landes-Kultur GmbH und dem Bundesdenkmalamt statt.

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des COVID-19 Virus mussten die ersten geplanten Prospektionen verschoben werden. Diese werden nun vom 19. bis 23. Oktober nachgeholt. Am Donnerstag, 22. Oktober können interessierte Besucher*innen am Tag der offenen Tür von 14°° bis 16°° Uhr unter Einhaltung der geltenden Hygienebestimmungen dem Team der Forscher*innen über die Schulter schauen und mit ihnen über ihre Arbeit sprechen.

Helena Seidl da Fonseca arbeitet seit 2012 beim Kuratorium Pfahlbauten. Sie ist ausgebildete Forschungstaucherin und Grabungsleiterin im Forschungsprojekt Zeitensprung.

Unterwasserprospektionen. © Kuratorium Pfahlbauten
Unter der Wasseroberfläche vor Traunkirchen im Traunsee befinden sich prähistorische Reste. © Kuratorium Pfahlbauten
Bereits 1865 vermutete Rudolf Kner urgeschichtliche Pfahlbauten im Traunsee. © Peter Geymayer at de.wikipedia
Im Grün gekennzeichneten Untersuchungsbereich werden Bohrungen durchgeführt. © Kuratorium Pfahlbauten
Der Traunsee in winterlicher Stimmung. © Kuratorium Pfahlbauten
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Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

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